Eine Freiwillige bei Multimondo berichtet

Liana erzählt, warum sich sich als Freiwillige engagiert, was sie dazu motiviert, und was ihre Aufgaben sind.
Möchtest du dich auch als Freiwillige*r bei Multimondo engagieren? Dann ruf uns an: 033 322 50 20 oder schreib uns eine E-Mail: info@multimondo.ch. Wir freuen uns auf dich!
Das Video kannst du dir hier anschauen.

Computer, Smartphone, Tablet

Kurs Digitale Medien

AN WEN RICHTET SICH DER KURS ?

Dieser Kurs richtet sich an Personen, die ihre ersten Schritte in der digitalen Welt machen oder aber ihre bestehenden Kenntnisse erweitern möchten. Er wird auch in Abstimmung mit den Deutschkursen konzipiert, so dass die Teilnehmenden zum selbstständigen Lernen herangeführt werden. Der Kurs orientiert sich aber auch stark an den Bedürfnissen der Teilnehmenden. Laptops und Tablets stehen zur Verfügung, die Teilnehmenden sind aber auch eingeladen, ihre eigenen Geräte mitzubringen.

INHALTE

  • Ein Worddokument erstellen und korrekt abspeichern
  • Ihren Lebenslauf und ein Bewerbungsschreiben anpassen
  • Wissen, wie man ein Dokument ausdruckt
  • Ein Email-Konto einrichten
  • Informationen auf Internet suchen
  • Sicherheit im Internet

ZIEL

Ziel ist, dass die Teilnehmenden Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien erwerben und dadurch ihre Selbstständigkeit in unserer komplexen Welt stärken.

DATEN, KOSTEN & VORAUSSETZUNGEN

Montag, 14:00 – 17:00, 2.8.2021 – 17.12.2021, CHF 270.-

ANMELDUNG
Telefonisch:  032 322 50 20 oder per Email: info@multimondo.ch
Persönlich: Montag: 10.00–13.00 / Dienstag & Donnerstag: 15.00-18.00

Flyer

Ferien

Die Kursadministration von MULTIMONDO ist vom 8. Juli 2021 bis am 18. Juli 2021 geschlossen. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.

Zusammenfassung 12. Dialogue-Abend

Am 1. Juni fand der zwölfte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 1. Juni «Essbare Stadt: Integration durch ein Gartenprojekt» Mit Kathrin Winkelhausen, Gesundheitsberaterin und Ernährungscoach.

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden im Jahr Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Bei diesem Dialogue-Abend stellte Kathrin Winkelhausen, Gesundheitsberaterin und Ernährungscoach, ein Beispiel aus Mett vor.

Mit der anfänglichen Vorstellungsrunde, bei der wir einen bestimmten Gegenstand (eine Batterie, einen Leuchtstift und ein Brillenetui) mit dem Thema des Abends in Verbindung bringen mussten, konnten wir uns gegenseitig etwas kennenlernen und sehen, wie die Umwelt und das Thema des Abends uns alle verbindet. Um den Wert dieser Verbindung zwischen Mensch und Umwelt zu unterstreichen, erzählte uns Kathrin Winkelhausen von zwei Projekten, die sie in Biel initiiert hat und die betonen, wie wichtig es für jede Person ist, sich um die Umwelt und das, was uns umgibt, zu kümmern.

Kathrin Winkelhausen lebt in Mett, wo sie vor zwei Jahren ein Gartenprojekt lanciert hat, und vor wenigen Wochen startete sie das neue Projekt «Essbares Biel». Doch was ist mit «essbarer Stadt» gemeint und was hat das mit Integration zu tun? Unser Gast erklärte uns, dass die Idee darin besteht, die Stadt nicht nur zu begrünen, sondern diese Begrünung mit essbaren Pflanzen zu gestalten – essbar für Mensch oder Tier. Solche Orte könnten beispielsweise Bereiche unter Bäumen, Teile von Pärken, Kreisel und weitere öffentliche Orte sein, die zurzeit allenfalls «nur» aus Rasen bestehen oder auf denen vor allem Blumen gepflanzt sind, die zwar schön aussehen, aber für Insekten beispielsweise nicht ideal sind. An diesen Orten könnten Wildkräuter, Salatblumen und je nachdem Gemüse gepflanzt werden.

Darüber hinaus könnten diese grünen Ecken als neutrale Räume dienen, als Treffpunkte, wo Leute zusammenkommen, mithelfen und sich austauschen können. Jede Person kann sich an so einem Ort irgendwie beteiligen; entweder aktiv mit Gartenarbeit oder durch den Austausch mit anderen. Sozialer Status, finanzielle Situation, Herkunft verlieren dabei an Bedeutung, da alle das Recht haben, sich um diesen Ort zu kümmern – und, wie Kathrin Winkelhausen sagt: Kochen und Gärtnern sind zwei Aktivitäten, über die sich Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten austauschen können, ohne eine bestimmte Bildung oder sonstige Leistungen vorbringen zu müssen.

Das Projekt «Essbares Biel» basiert auf diesen Prinzipien und auf zwei weiteren Ideen: zum einen auf der Praxis des «Upcyclings», also der Wiederverwertung von gebrauchten oder ungebrauchten Materialien oder Gegenständen, um sie in Materialien oder Gegenstände von höherer Qualität oder anderem Nutzen umzuwandeln; zum anderen, soll mit den Gärtner*innen der Stadt zusammengearbeitet werden, um zu schauen, was wo wie genutzt und gepflanzt werden kann.

Ein weiteres Beispiel von einem Projekt, welches Gärtnern und Integration verbindet, ist «Nouveaux Jardins» (Neue Gärten), das in einigen Westschweizer Kantonen vom HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz) umgesetzt wird. Dabei wird ein Sprachtandem kombiniert mit Gärtnern: Eine Person mit Garten, die diesen teilen möchte oder vielleicht selbst nicht mehr bepflanzen kann, wird mit einer Person zusammengebracht, die keinen Garten hat, aber gerne gärtnern würde. Eine der beiden Personen sollte aus der Migration kommen und ihre Französischkenntnisse verbessern wollen. Die beiden Personen können sich so über das Gärtnern kennenlernen, austauschen und annähern, wobei auch Freundschaften entstehen können.

Im Moment, so Kathrin Winkelhausen, befinden wir uns in einer «Transition Town», also einer Stadt, die dabei ist, die Bewohner*innen einzubeziehen und das Ziel hat, die Widerstandsfähigkeit der Stadt angesichts der Herausforderung der Klimakrise zu verbessern. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, sich darauf zu konzentrieren, die Bevölkerung für die Umwelt und Umweltthemen wie beispielsweise Ernährung zu sensibilisieren. Am Dialogue-Abend waren sich alle einig, dass sich unsere Gesellschaft verändern und sich stärker um den Planeten und andere kümmern muss – angefangen bei den Ess- und Verhaltensgewohnheiten von jeder*m einzelnen.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

Das Forum Together im Juni/Juli/August

Für Kinder:

Am 3. Juli und 28. August finden die nächsten Kinderkonzerte statt! Eure Kinder können einen weiteren Teil der Geschichte von Himmu, dem Drachen und Colette, dem Kolibri hören und dabei neue Melodien aus aller Welt kennenlernen.

Am Schweizer Vorlesetag am 26. Mai wollten wir bei schönem Wetter eine Geschichtensuche durch Biel durchführen, da es etwas wechselhaft war, haben wir uns für das Regenprogramm, einem mehrsprachigen Kamishibaï entschieden. Gerne möchten wir diese Aktivitäten (wieder) organisieren, vielleicht im Sommer! Über unsere Webseite, Facebook oder WhatsApp-Verteilerliste bleiben Sie auf dem Laufenden.

Ansonsten könnt ihr jederzeit der Whatsapp-Gruppe «Forum Together KIDS» beitreten, um regelmässig Ideen für Aktivitäten für Kinder zu erhalten und auch über unsere Veranstaltungen für Kinder informiert zu werden. Kontaktieren Sie uns unter 077 905 75 61, um der Gruppe hinzugefügt zu werden.

Für Jugendliche:

Das Projekt «Ohren auf Reisen» des Vereins « Zuhören Schweiz » ist im Mai gut angelaufen, und die Teilnehmenden sind derzeit damit beschäftigt Radiobeiträge zu produzieren, die ihre Heimat repräsentieren. Im Juni sind drei weitere Audio-Workshops geplant. Weitere Infos auf dem Flyer und auf Facebook.

Für Erwachsene:

Am 1. Juni fand der Dialogue-Abend zum Thema «Essbare Stadt-Integration durch ein Gartenprojekt?» statt. Die Zusammenfassung dazu sowie Informationen zu zukünftigen Dialogue-Abenden finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook.

Das Brettspiel rund um Sprachen und Kulturen ist in voller Entwicklung. Bei jedem Workshop entdecken wir durch unsere Teilnehmenden neue Sprachen, Kulturen und Traditionen und lernen uns dabei aber auch gegenseitig besser kennen. Interessierte Personen können jederzeit einsteigen. Mehr Informationen gibt es hier.

Der spanische und russische Leseclub treffen sich weiterhin, online oder vor Ort (unter Einhaltung der Schutzmassnahmen), je einmal im Monat, um Bücher in der jeweiligen Sprache zu besprechen.

Der Informationsabend zum Thema «Jugendlohn», den das Forum Together zusammen mit dem Chindernetz Bern im letzten Herbst im Multimondo organisiert hat, wird am 31. August 2021 erneut angeboten. Wie lernen Kinder und Jugendliche mit Geld umzugehen? Wie können Eltern mit ihren Kindern über Geld sprechen? Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es und was sollen Kinder und Jugendliche darüber wissen? Sind einige der Fragen, die dabei besprochen werden. Mehr Informationen folgen bald in unserem Veranstaltungskalender und auf Facebook.

Für Alle:

Der Soli-Schrank öffnet jeden Donnerstag von 9:30 bis 11:30 Uhr und Montag bis Freitag zwischen 11-12 Uhr im Multimondo. Sie können kostenlose Artikel finden (Kleidung, Spielzeug, Geschirr und vieles mehr). Vom 28. Juni bis 1. August variieren die Öffnungszeiten aufgrund der Sommerferien. Weitere Infos dazu folgen.

Achtung, die Öffnungszeiten von der interkulturellen Bibliothek LibriMondo werden während den Sommerferien anders sein! Sie können weiterhin jederzeit Bücher via Fern-Verleih ausleihen! Weitere Infos zu den Öffnungszeiten, dem Fern-Verleih und sonstigen Angeboten von LibriMondo gibt es hier.

fide-Test auf Französisch in Biel am 26. Juni 2021

Multimondo hat sich mit dem CIP Tramelan zusammengetan, um den fide-Sprachtest in seinen Räumlichkeiten zu organisieren. Das CIP ist fide akkreditiert und somit zuständig für die Organisation und die Durchführung des Tests.
Die fide-Sprachprüfung bescheinigt mündliche und schriftliche Sprachkenntnisse. Sie wurde im Auftrag des Staatssekretariats für Migration (SEM) speziell für den Alltag in der Schweiz konzipiert.

Er besteht aus einem Teil “Sprechen und Verstehen” und einem Teil “Lesen und Schreiben”. Sie können sich für beide Teile oder nur für einen Teil anmelden.
Nach Ablegen der fide-Sprachprüfung erhalten Sie einen Sprachenpass. In diesem Dokument ist das erreichte Niveau (A1, A2 oder B1) getrennt für schriftliche und mündliche Fähigkeiten angegeben. Der fide-Sprachenpass ist in der gesamten Schweiz und damit auch für die Verlängerung von Aufenthaltsgenehmigungen anerkannt.

Die Anmeldung kann mit dem untenstehenden Formular erfolgen, das bis zum 10. Juni 2021 an das CIP zurückgeschickt werden muss, oder an der Multimondo-Rezeption während der Öffnungszeiten, ebenfalls bis zum 10. Juni 2021.

Beschreibung

Anmeldung

 

Auf der Stellensuche?

Sind sie auf Arbeitssuche? Wir unterstützen Sie dabei! Die Kursdaten für das zweite Semester unseres Mentoringprogrammes 2021 stehen fest.

Sind die Programmkosten zu hoch? Für Privatpersonen ist eine finanzielle Unterstützung auf Anfrage möglich. Uns steht ein Fonds zur Verfügung, mit welchem wir einen Teil der Kosten übernehmen können. Diese Fondsgelder sind jedoch limitiert, melden sie sich daher möglichst schnell bei uns an!

Sie können uns unter der Nr.: 077 440 93 02 oder per Mail an mentoring@multimondo.ch kontaktieren oder während unseren Öffnungszeiten persönlich vorbeikommen.

Wir befinden uns an der

Neumarktstrasse 64
2503 Biel/Bienne

und sind während den folgenden Zeiten für sie da:

Montag 10.00 -13.00 Uhr
Dienstag 15.00 -18.00 Uhr
Donnerstag 15.00 -18.00 Uhr.

Wir suchen Freiwillige!

Wir suchen Freiwillige, die bereit sind, in unserer Kinderbetreuung mitzuwirken.

Beschreibung des Arbeitseinsatzes
Sie betreuen zu zweit eine kleine Gruppe von Kindern im Alter zwischen 2 und 6 Jahren. Je nach Wetter gehen Sie mit den Kindern nach draussen oder unterstützen sie beim Basteln und Spielen in unserem Betreuungsraum.

Anforderungen
Sie verbringen gerne einen Teil Ihrer freien Zeit mit Kindern und die Kommunikation mit ihnen macht Ihnen Spass? Sie gehen offen auf andere Menschen zu und bringen Wertschätzung, Toleranz und Geduld mit?
Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Deutsch- und/oder Französischkenntnisse min. Niveau B1

Zeitaufwand
pro Einsatz ca. 2,5 h
1- bis 3-mal wöchentlich.

Kontaktperson
Silvana Keck-Drammeh, silvana.keck@multimondo.ch
032 322 50 20

Zusammenfassung 11. Dialogue-Abend

Am 23. März fand der elfte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 23. März «Arbeitsausbeutung in der Schweiz: Wie erkennen wir sie und was können wir dagegen unternehmen?» Mit Nicole Emch von ACT212.

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden im Jahr Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Nicole Emch, Koordinatorin Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit von ACT212, war am 23. März zu Gast.

Im Rahmen des Dialogue-Abends stellte Nicole Emch «ACT212, Beratungs- und Schulungszentrum für Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung» vor. ACT212 engagiert sich gegen Menschenhandel und damit verwandte Themen wie sexuelle Ausbeutung und Arbeitsausbeutung. Bereits der Name des Beratungs- und Schulungszentrums steht für seine Handlungsfelder: ACT212 besteht aus dem Akronym für «Agieren, Kooperieren, Thematisieren», gefolgt vom Datum der Ratifizierung des internationalen Abkommens gegen Menschenhandel in der Schweiz am 2. Dezember 1949 (2.12.1949). Das Ziel von ACT212 ist es, den Menschenhandel in der Schweiz und im Ausland zu bekämpfen, die Opfer zu identifizieren und zu schützen und die Täter*innen zu bestrafen. ACT212 verfügt ausserdem über eine niederschwellige nationale Meldestelle, bei der Betroffene, Angehörige, Bekannte, Arbeitgebende oder sonstige Personen Fälle von Menschenhandel oder ausbeuterischen Situationen melden können resp. sich beraten lassen können. Wenn nötig und möglich und in Absprache mit der meldenden Person, werden Fälle an die zuständigen Behörden oder andere zuständigen Stellen weitergeleitet.

Nicole Emch vermittelte zum Einstieg einen Überblick über die verschiedenen Formen, die Menschenhandel annehmen kann:

Menschenhandel kann in Form von sexueller Ausbeutung, Arbeitsausbeutung, organisierter Bettelei, ritueller Gewalt, Zwangsheirat oder der Loverboy-Methode auftreten. «Loverboys» sind Menschenhändler und Zuhälter und oft selbst noch Teenager. Sie verführen Mädchen (12-18 Jahre alt) indem sie ihnen die wahre Liebe versprechen. Das Mädchen wird daraufhin systematisch abhängig von ihm gemacht und zunehmend von ihrem Umfeld isoliert. Nach und nach führt er sie in die Prostitution ein, mit dem Ziel möglichst viel Geld mit ihr zu verdienen. Schliesslich wird sie soweit gebracht, dass sie sich prostituiert, um ihm finanziell zu helfen.

Menschenhandel ist äusserst lukrativ und betrifft weltweit 40 Millionen Menschen (meist Frauen und Kinder). Die häufigste Form des Menschenhandels ist die sexuelle Ausbeutung. Nach dem Schweizerischen Strafgesetzbuch unter Artikel 182 ist Menschenhandel strafbar.

Nicole Emch berichtet, dass seit dem Start der Meldestelle im Oktober 2015 rund 400 Meldungen eingegangen sind. Alle Formen von Menschenhandel kamen in diesen Meldungen vor. Meistens wurden diese Meldungen von Angehörigen vorgenommen, nicht direkt von Betroffenen.

Die weitere Diskussion am Dialogue-Abend konzentrierte sich dann eher auf verschiedene Formen von Arbeitsausbeutung in der Schweiz. Nicole Emch ergänzte, dass von den 400 eingegangenen Meldungen, 29 Meldungen mit insgesamt 57 Opfern die Ausbeutung von Arbeitskräften betrafen.

Die betroffenen Arbeitsbereiche sind vor allem das Bau- und Gastgewerbe, die Landwirtschaft, Dienstleistungen im Schönheitsbereich und Bereiche wie Hausarbeit, Kinder- und Altenpflege, die häufig noch weniger sichtbar sind, weil sie im privaten Bereich liegen. Die Dunkelziffer wird weitaus höher als 29 Fälle mit 57 Opfern geschätzt. Laut Nicole Emch gibt es mehrere Gründe dafür, dass es nur so wenige Meldungen gibt: a) die betroffenen Personen halten sich illegal in der Schweiz auf und wenden sich aus Angst vor einer Ausweisung nicht an die zuständigen Behörden; b) die Personen befinden sich in einer Abhängigkeitssituation (sind beispielsweise auf die Arbeit angewiesen und können es sich nicht «leisten» sich zu wehren und allenfalls die Arbeit zu verlieren); c) die Personen merken selbst nicht, dass sie ausgebeutet werden (sie kennen beispielsweise ihre Rechte als Arbeitnehmende nicht genügend; wissen nicht, dass sie Anspruch hätten auf einen höheren Lohn). Nicole Emch schildert ein markantes Beispiel für die Ausbeutung von Arbeitskräften in der Schweiz. Der betroffene Mann meldete sich an die nationale Meldestelle und schilderte seinen Fall:

Er kommt aus einem europäischen Land und gibt an, dass er für mehrere Monate in einem Betrieb in der Schweiz gearbeitet habe, ohne Lohn dafür zu bekommen. Während der Zeit in der Schweiz wohnt er für einen kleinen Mietbeitrag bei Landsleuten. Weil er den Lohn nicht erhält, kann er seinen Lebensunterhalt nicht länger finanzieren und muss in sein Heimatland zurückkehren.

Erst nach mehr als einem Jahr nimmt er seinen Mut zusammen und kontaktiert von zuhause aus die Meldestelle. Er wird mit einer Beratungsstelle im betroffenen Kanton vernetzt.

Wie können wir diese Situationen leichter erkennen und was können wir dagegen unternehmen? Laut Nicole Emch ist ein wichtiger Schritt, die Sensibilisierung von Fachpersonen, Arbeitsgebenden, aber auch der Bevölkerung für die Thematik sowie die Bekanntmachung von Melde- und Beratungsstellen wie ACT212. Auf politischer Ebene gibt es die Forderung, so Nicole Emch, die derzeitige Gesetzesgrundlage zu ändern, da diese aktuell oft nicht genug greift.

Das Thema ist sehr breit gefächert und warf mehrere Fragen im Publikum auf. Der Abend hat verdeutlicht, dass es schwierig einzuschätzen ist, ob eine Situation unter Ausbeutung kategorisiert werden kann oder nicht. Die Grenzen sind flexibel und es gibt keine klare Gesetzgrundlage. Wichtig ist sicherlich, sich der Situation bewusster zu werden, auch in Bezug auf Konsum, und bei Verdachtsfällen zu handeln und sich beispielsweise beraten zu lassen. Bei der Meldestelle können Fälle geschildert und eine erste Einschätzung eingeholt werden und anschliessend kann noch entschieden werden, ob der Fall weitergeführt werden soll oder nicht. Die Meldung kann komplett anonym erfolgen.

Wenn Sie eine betroffene Person sind oder jemanden kennen, der sich in einer ausbeuterischen Situation befindet, zögern Sie bitte nicht, ACT212 – Nationale Meldestelle unter 0840 212 212 zu kontaktieren.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

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