Zusammenfassung 8. Dialogue-Abend

Am 13. Oktober fand der achte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 13. Oktober «Frau und Arbeit: Wie erreichen wir eine Gleichberechtigung im Arbeitsumfeld? » Mit Nina Prochazka und Anna Tanner.

Der Verein MULTIMONDO organisiert die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Nina Prochazka, Organisationsentwicklung, Coach und Expertin für Jobsharing und Arbeit 4.0, und Anna Tanner, Stadtratsmitglied und Sozialarbeiterin, waren unsere Gäste.

Im Verlaufe des Dialogue-Abends haben wir verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit dem Thema des Abends angesprochen wie z.B. Lohngleichheit und weitere Forderungen des Frauenstreiks im Jahr 2019 und uns insbesondere auch mit dem Konzept «Jobsharing» und seinem Potenzial zur Erreichung der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt auseinandergesetzt.

Sandra Joye, Co-Geschäftsleiterin und Leiterin für den Bereich Arbeitsintegration von Multimondo moderierte die Diskussion. Nach einer kurzen Vorstellung der beiden Gäste, Nina Prochazka und Anna Tanner sowie der Teilnehmenden und ihren Erwartungen für den Abend, legte sie mit ein paar Zahlen und Fakten zum Thema den Grundstein für die Diskussion. Bei der Gleichstellung von Mann und Frau liegt die Schweiz derzeit auf Rang 18. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter seit 1981 in der Verfassung verankert ist, sieht die Realität ganz anders aus. Im Jahr 2016 beträgt das mittlere Bruttomonatsgehalt für Männer CHF 6830, während es für Frauen CHF 6011 beträgt. Wie können wir diese Ungleichheit erklären? Laut Anna Tanner gibt es Diskriminierung, die bereits bei der Sozialisation beginnt. Mädchen werden in Aktivitäten ermutigt, die typisch «weiblichen» Werten (Solidarität, Einfühlungsvermögen usw.) entsprechen. So wird der Weg insbesondere für soziale Berufe geebnet, die im Durchschnitt weniger gut bezahlt sind, als typisch «männliche» Berufe. Ausserdem kümmern sich Frauen durchschnittlich auch mehr um unbezahlte «Care-Arbeit», also Kinderbetreuung, Haushalt, Pflege von kranken oder betagten Familienmitgliedern. Auch bei der Geburt eines Kindes, sind es eher Frauen als Männer, welche das Arbeitspensum reduzieren oder den Arbeitsmarkt gar für einige Zeit ganz verlassen. Teilzeitarbeit ist also bei Müttern mit Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren weiterverbreitet als bei Vätern mit Kindern in diesem Alter (59,6% im Vergleich zu 11,2% im Jahr 2017). Männer, die ihr Arbeitspensum reduzieren, machen dies häufiger aufgrund von Weiterbildungen, Frauen aus familiären Gründen.

Und was bedeutet es für eine Frau aber, nicht oder weniger zu arbeiten? Laut Nina Prochazka ist nicht Geld das zentrale Problem, sondern das wertvolle Erfahrungen nicht gewonnen und Fähigkeiten nicht weiterentwickelt werden. Mit einem immer dynamischer werdenden Arbeitsmarkt kann die Möglichkeit sich beruflich weiterzuentwickeln, bereits mit kleinen Auszeiten, erschwert werden. Es sei zentral, immer einen Fuss im Arbeitsmarkt zu behalten, dafür eignen sich auch Teilzeittätigkeiten. Auch Sandra Joye ergänzt, dass ein Praktikum, eine Teilzeit- oder Temporäranstellung zentral sind, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben oder zu werden. So ist dies eine Empfehlung, die für Mütter bei einem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben genauso gilt wie für Personen aus der Migration, Personen über 50 Jahren oder Absolvent*innen auf Arbeitssuche.

Anna Tanner weist dabei noch auf ein wichtiges Phänomen hin: Intersektionalität. Intersektionalität bezeichnet die Mehrfachdiskriminierung, der einige Menschen ausgesetzt sind, sei es im Arbeitsumfeld oder im Alltag. Es kommt zu einer Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungen wie z.B. der Diskriminierung als Frau und als Person aus der Migration. Auch Behinderungen und sexuelle Orientierung oder Identität sind Faktoren, die zu Diskriminierung führen können. Gerade bei Personen aus der Migration kommt bei der Arbeitssuche nebst sprachlichen Barrieren häufig dazu, dass Abschlüsse aus dem Ausland in der Schweiz nicht anerkannt werden. Und für Frauen, mit und ohne Migrationserfahrung, kann eine potentielle Schwangerschaft Grund genug sein, dass ein männlicher Mitbewerber bevorzugt wird.

Die am Frauenstreik vom 14. Juni 2019 gestellten Forderungen basieren auf ebendiesen Problematiken: finanzielle und gesellschaftliche Aufwertung der Arbeit von Frauen z.B. durch Lohnanalysen; mehr Zeit und Geld für Betreuungsarbeit z.B. durch Vaterschaftsurlaub/Elternzeit; Respekt statt Sexismus am Arbeitsplatz z.B. durch ausgebauten Kündigungsschutz bei Mutterschaft und Angehörigenpflege. Die Teilnehmenden des Dialogue-Abends waren sich einig, dass Veränderungen nötig sind, um Gleichstellung im Arbeitsumfeld zu erreichen, mit welchen Mitteln diese aber erreicht werden soll oder kann, wurde dennoch kritisch diskutiert. So merkte beispielsweise Nina Prochazka an, dass die Entschädigung für die Betreuungsarbeit ein System befeuern könnte, das die traditionelle Rollenverteilung festigt und Frauen in die Privatsphäre und Männer in die öffentliche Sphäre drängt. Einig waren sich die Teilnehmenden wiederum darin, dass Sensibilisierungs- und Bildungsarbeit dringend nötig ist und bereits bei der Erziehung von Mädchen und Jungen angefangen werden muss, um Gleichberechtigung, auch im Arbeitsumfeld, zu erreichen. Auch Arbeitgebende, so Anna Tanner, müssten zum Thema sensibilisiert und beispielsweise dazu ermutigt werden, klare Lohnsysteme einzuführen, nach dem Motto: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Obwohl umstritten, könnten auch Quoten in einem ersten Schritt hilfreich sein, um beispielsweise mehr Frauen in den höchsten Unternehmensebenen zu sehen.

Eine weitere Möglichkeit ist für Nina Prochazka «Jobsharing», wobei sich zwei oder mehr Personen eine Arbeitsstelle teilen. Das heisst, eine 100%-Stelle wird mit all ihren Aufgaben und Verantwortungen auf beispielsweise zwei Personen aufgeteilt. Die Aufteilung erfolgt je nach Bedürfnissen (50:50%, 40:60%, 30:70%, …). «Jobsharing» tauchte erstmals in den 1970er Jahren in den USA auf. Es ermöglicht Menschen, die gerne Teilzeit arbeiten möchten, den Zugang zu verantwortungsvollen Positionen, die häufig nur in Vollzeit zu besetzen sind. Auch gegen Diskriminierung bietet Jobsharing spannende Möglichkeiten. So können sich beispielsweise Berufserfahrene mit Berufseinsteigenden, eine Frau und ein Mann, eine Person mit und eine ohne Migrationserfahrung, Personen mit verschiedenen Sprachkenntnissen oder sonstigen sich ergänzenden Fähigkeiten eine Stelle teilen. Die Anforderungen an die einzelnen Personen werden somit etwas weniger hoch und gleichzeitig wird das Team diverser. Und Diversität bringt mehr Ideen und mehr Lösungen. Nina Prochazka berichtet, dass Jobsharing über alle Branchen und Positionen möglich und bereits umgesetzt wird. Wichtig ist dabei den*die richtige Stellenpartner*in zu finden und sich gleich als Team auf eine Stelle zu bewerben.

Der Dialogue-Abend zeigte einmal mehr eine komplexe Realität, mit der wir tagtäglich konfrontiert sind, bot aber auch konkrete Lösungsansätze und wichtige Reflektionen, nicht zuletzt in Bezug auf Vielfalt. Wenn wir etwas über Vielfalt lernen, wird es leichter, uns alle als ein kohärentes Ganzes zu erkennen.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

Wir suchen freiwillige Mentorinnen und Mentoren

MULTIMONDO sucht…

Freiwillige, die bereit sind, im Rahmen unseres Arbeitsintegrations- und Mentoringprogramms Menschen mit Migrationserfahrung während dem Bewerbungsprozess zu unterstützen.

Anforderungsprofil

  • Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt und gutes Netzwerk
  • Sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • Offenheit und Toleranz
  • Kenntnisse über Anforderungen und wichtige Schlüsselkompetenzen des lokalen Arbeitsmarktes
  • Verfügbarkeit während 1 – 2 Stunden pro Woche

MULTIMONDO bietet…

  • Eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit, bei der Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen weitergeben können
  • Eine fundierte Einführung und regelmässige Weiterbildungen
  • Eine professionelle Begleitung der Mentor*innen
  • Spesenentschädigung und eine Einsatzbestätigung

Interessiert? Kontaktieren Sie: ensuisse@multimondo.ch oder 077 440 93 02

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

 

Gruppenfuehrungen bei LibriMondo

Neu bietet LibriMondo einfache oder animierte Führungen für Schulklassen oder sonstige Gruppen an. Ziel dieser Führungen ist, die verschiedenen Sprachen und Schriften, die uns umgeben wertzuschätzen und die Kinder Vielfalt als Bereicherung erleben zu lassen. 

Die Gruppenführungen fördern verschiedene Lernziele der Schwerpunkte «Sprache(n) im Fokus» und «Literatur im Fokus» des Fachbereichs «Sprache» des Lehrplans der Deutschschweiz (Lehrplan 21) und verschiedene Lernziele des Schwerpunkts «interlinguistischer Ansatz» (L17, L27 und L37) des Lehrplans der Romandie (PER).

Die Kosten betragen CHF 50.- für eine einfache Führung und CHF 150.- für eine animierte Führung. Weitere Informationen zu den Zielen der Gruppenführungen sowie zum jeweiligen Umfang der einfachen und animierten Führung finden Sie hier.

Sind Sie interessiert oder haben Sie Fragen? Dann können Sie sich gerne per Email an sylvia.joss@multimondo.ch wenden oder telefonisch unter 032 322 50 20 melden.

Zusammenfassung 7. Dialogue-Abend

Am 2. Juni fand der siebte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung:

Dialogue-Abend am 2. Juni «Psychische Gesundheit – Migration, ein Einflussfaktor unter anderen?» in Zusammenarbeit mit André Huegi von Berner Gesundheit.

Seit 2018 organisiert der Verein MULTIMONDO die Veranstaltungsreihe Dialogue, die an mehreren Abenden Menschen mit unterschiedlichen Biografien zur Diskussion und zum Austausch gesellschaftspolitischer Themen einlädt. Der zweite Dialogue-Abend des Jahres 2020 fand am 2. Juni zum Thema psychische Gesundheit statt. Wir sprachen insbesondere über Tabus und die verschiedenen Einflussfaktoren, darunter auch die Migration. André Huegi war unser Gast für diese Ausgabe. Wegen der Einschränkungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie fand auch dieser Abend als Videokonferenz statt. Insgesamt hatten 5 Personen das Vergnügen der Teilnahme.

Nach einer kurzen Vorstellung und Reflexionen der Teilnehmenden zur Frage «Was heisst für mich gesund sein» startete André Huegi mit einigen Definitionen und Fakten zu (psychischer) Gesundheit und Migration. Dabei wurde auch der Begriff «Gesundheit» etwas genauer analysiert: was umfasst Gesundheit genau? Ist es körperliches Wohlbefinden? Ist es psychisches Wohlbefinden? Ist es soziales Wohlergehen? Dabei kam auch zur Sprache, dass jede Person ihre eigene Definition von Gesundheit hat. Viele Menschen und in allen Kulturen berücksichtigen psychisches und soziales Wohlbefinden sowie Traumata nicht, wenn sie ihre eigene Gesundheit betrachten. Das Verständnis von Gesundheit ist häufig auf die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen beschränkt. Wie André Huegi jedoch aufgezeigt hat, setzt sich Gesundheit aus einer Kombination von verschiedenen Faktoren zusammen, sowohl individueller als auch sozialer Art.

So hat häufig auch Migration resp. der Migrationsweg mit seinen verschiedenen Phasen, Einfluss auf die psychische Gesundheit einer Person. Sozioökonomische Unsicherheit, Sprachbarrieren oder Unsicherheit in Bezug auf Aufenthaltserlaubnis sind Elemente, die Menschen mit Migrationserfahrung einem erhöhten Gesundheitsrisiko aussetzen. Auch der politische und soziale Kontext des Wohnlandes und damit einhergehende Sicherheit oder Unsicherheit, wirkt sich auf das Leben der Menschen aus. So haben Bedingungen für eine Aufenthaltserlaubnis, Anerkennung (oder nicht) von Abschlüssen, Zugang zum Gesundheitssystem, wie auch das politische Regime (bspw. Achtung der Menschenrechte) einen hohen Einfluss auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden einer Person. Deshalb ist es unabdingbar die Gesundheits- und Präventionspolitik an den Realitäten von Menschen aus der Migration auszurichten. Der Zugang zu Informationen und Sensibilisierung trägt zur Risikominderung bei.

Zwei Faktoren sind für die Gesundheitsförderung besonders wichtig, wie André Huegi aufzeigt: Gesundheitskompetenzen und transkulturelle Kompetenzen. Die erste bezieht sich auf die Fähigkeit einer Person, täglich Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf ihre Gesundheit auswirken. Dies ist nicht ganz unproblematisch, da jede Person Gesundheit etwas anders versteht und gerade psychische Gesundheit für viele Menschen noch ein sehr abstrakter und nicht einfach zu fassender Begriff ist. Erschwerend kommt noch das Tabu hinzu, wie eine Teilnehmerin einwarf, dass psychische Gesundheit in vielen Kulturen umhüllt. Umso wichtiger wird daher der zweite Faktor, die transkulturellen Kompetenzen, um beispielsweise Gesundheitskompetenzen vermitteln zu können. Transkulturelle Kompetenz wird definiert als die Fähigkeit, individuelle Lebenswelten zu erkennen, zu verstehen und die gegebene Situation und den Kontext zu berücksichtigen, um daraus geeignete Handlungsoptionen abzuleiten. Sie ermöglicht es Konditionierungen und Vorurteile zu reflektieren, die aus den eigenen Erfahrungen und der eigenen Lebenswelt entstehen und die Perspektive anderer einzunehmen sowie Kulturalisierung und Stereotypisierungen zu vermeiden. Gerade für Gesundheitspersonal, aber nicht nur, ist transkulturelle Kompetenz eine unabdingbare Fähigkeit.

Der Abend verdeutlichte einmal mehr, wie komplex das Thema Gesundheit und insbesondere psychische Gesundheit ist. Tabus, transkulturelle Fähigkeiten, individuelle und soziale Faktoren, Migrationswege sind einige der Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt, um andere besser verstehen zu können. Wir haben auch gesehen, welche verschiedenen Realitäten und auch Herausforderungen für das Individuum aus dem Migrationsprozess entstehen, wie wichtig es ist, dass Fachpersonen, aber auch die Bevölkerung im Allgemeinen, ein Bewusstsein dafür haben und dass wir einander zuhören und das Selbstverständnis sowie auch das Verständnis von anderen stärken.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

Zusammenfassung 6. Dialogue-Abend

Am 8. Mai fand der sechste Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung:

Dialogue-Abend vom 8. Mai «Klimakrise und COVID-19: Gedanken über die Zukunft. Was können wir als Privatperson tun?» Mit Alain Emery, Autor des Blogs Raising STARS und Eva Troya Ortega.

Der Verein MULTIMONDO organisiert die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Der erste Dialogue des Jahres 2020 fand am 8. Mai zum Thema «Klimakrise und COVID-19: Gedanken über die Zukunft. Was können wir als Privatperson tun?» statt. Alain Emery, Umweltaktivist und Eva Troya Ortega, Umweltbildnerin waren unsere Gäste. Dieser Abend war ursprünglich unter dem Titel «Klimakrise – Was können wir als Privatpersonen tun?» für den 24. März geplant, musste aber aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, verschoben werden. Daraufhin haben wir das Thema etwas aktualisiert, um Zusammenhänge zwischen Klimakrise und COVID-19 anzusprechen und auch das Format des Dialogue-Abends haben wir angepasst. So fand dieser Abend erstmals per Videokonferenz statt. Insgesamt haben sieben Personen teilgenommen und mitdiskutiert.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmenden, eröffneten unsere beiden Gäste die Diskussion. Für Eva Troya Ortega ist bedenklich, dass für einige Menschen die leerstehenden Städte und die stark reduzierte Luftverschmutzung, bedeuten es gehe der Erde aus ökologischer Sicht besser. Auch wenn dies im Moment stimmen mag, wird dieser Effekt nicht von langer Dauer sein, wenn unsere Bemühungen nicht regelmässig und konstant sind. Eine weitere Sorge, die geäussert wurde, ist, dass Nachrichten zu COVID-19 die Medien beherrschen und die Klimafrage überschatten und diese teilweise in Vergessenheit zu geraten scheint. Dies dürfe aber auf keinen Fall geschehen, so Alain Emery; die Welt von morgen, könne nicht dieselbe sein wie die von gestern. Denn selbst wenn für die Pandemie eine Lösung gefunden wurde, bleibe die Klimafrage aktuell und dringend und es sei daher unabdingbar, dass ein Umdenken stattfinde und eine gerechtere und nachhaltigere Welt geschaffen würde.

Daraufhin wurde diskutiert, ob und wie es zu diesem Umdenken und zu dieser Veränderung kommen kann. Dabei gingen die Meinungen auseinander. Für einige birgt die Pandemie eine Chance. Denn dadurch seien jetzt bereits viel mehr Menschen erreicht und sensibilisiert worden, als unter «normalen» Umständen möglich gewesen wäre. Andere bezweifeln wie lange die Solidarität beispielsweise und der Ruf nach einer neuen Normalität anhalten werde. Sie befürchten, dass sich viele Menschen eine schnelle Lösung für die Pandemie wünschen und froh sind, wenn wieder Normalität in den Alltag einkehrt, auch wenn es die alte ist.

Für einige der Teilnehmenden war es daher unabdingbar, dass einerseits weiterhin Sensibilisierungsarbeit geleistet werden muss, beispielsweise durch Bürger*innenaktionen, und andererseits jede Person für sich Massnahmen trifft und Verhaltens- und Konsumweisen ändert (z.B. lokal und Bio kaufen, ÖV und Velo nutzen, Sachen reparieren lassen, statt neu kaufen). Dabei wurde auch diskutiert, dass viele der gängigen Handlungsvorschläge für Privatpersonen sehr zeit- oder kostenaufwändig sind und für Menschen mit wenig finanziellen Ressourcen nicht umsetzbar sind. So müssen wir uns bewusst sein, dass nicht alle Personen im gleichen Umfang ihre persönliche Lebensweise umstellen können, selbst wenn sie wollten. Solidarisches und am Wohl der Gesellschaft – und dabei die Schwächsten mitdenkend! – orientiertes Handeln nimmt daher auch in der Klimafrage eine zentrale Rolle ein. Dabei sollte gerade bei globalen Angelegenheiten auch über die Landesgrenzen hinweg gedacht werden.

In der Diskussion an diesem Abend zeigte sich, dass das Lernen von Anderen einer der Schlüssel zur Bekämpfung der Klimaerwärmung ist. COVID-19 zeigt uns, wie abhängig wir voneinander sind. Daher müssen wir für globale Probleme, auch globale Lösungen finden und einander zuhören und voneinander lernen. Und wie so oft, birgt auch hier Diversität eine grosse Chance. Menschen aus der Migration bringen Erfahrungen aus verschiedensten Bereichen und Lebenswelten mit, diese sind oft nicht formalisiert und finden daher meist wenig Beachtung – gerade in sehr wohlhabenden Ländern mit einer mehrheitlich privilegierten Gesellschaft. Genau dieses Wissen könnte aber viele wertvolle Lösungsansätze hervorbringen.

Der Dialogue-Abend kam zu einem positiv und hoffnungsvoll stimmenden Abschluss: COVID-19 zeigt uns, was möglich ist, wenn wir unsere Lebensweise verändern. Eine bessere Zukunft ist möglich, wenn jede*r einen Teil dazu beiträgt – jede*r im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und auch die Liebe zu Anderen und die Liebe zur Natur scheinen zwei notwendige Zutaten für positive Veränderungen hin zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt zu sein. Wir brauchen uns gegenseitig, um einen Wandel zu ermöglichen.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

Projekt «en suisse» und COVID-19

Anpassung der Aktivitäten während der COVID-19 Epidemie:

Während der COVID-19 Epidemie werden alle Dienstleistungen des Programms «en suisse» an die Gesundheitsempfehlungen des BAG angepasst. Wir begleiten die Teilnehmenden des Arbeitsintegrationsprogramms «en suisse» online und bieten Beratung, Fernunterricht und Mentoring an. Obwohl die Lage auf dem Arbeitsmarkt unter diesen Umständen schwierig ist, besteht insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Pflege, Logistik und Kinderbetreuung Bedarf, und wir tun unser Bestes, damit unsere Teilnehmenden von diesen Möglichkeiten profitieren können.

Um dies durchzuführen haben wir folgende Anpassungen umgesetzt:

  • Alle Kurse «vie en suisse» und «travail en suisse» werden mit Zoom aus der Ferne durchgeführt. Übungen und Instruktionen für «vie en suisse»-Teilnehmende werden per Post verschickt.
  • Den Teilnehmenden werden die Laptops von Multimondo zur Verfügung gestellt, damit sie von zu Hause aus an den Computerkursen teilnehmen können.
  • Die Mentor*innen werden per Telefon, E-Mail und WhatsApp beraten und begleitet, damit sie ihr Tandem unter guten Bedingungen aus Distanz weiterführen können. Die regelmässigen Mentor*innentreffen werden ebenfalls über Zoom organisiert. Das letzte fand am Dienstag, dem 28. April 2020 statt.
  • Zudem werden die Teilnehmenden von unserem Team per Telefon, E-Mail und WhatsApp unterstützt und beraten.

Aufgrund der Lockerung der Massnahmen ab dem 11. Mai können wir ab dem 19. Mai 2020 die «vie en suisse»-Kurse wieder als Präsenzunterricht durchführen, da die Teilnehmenden und der Kursleiter eine Gruppe von maximal 5 Personen bilden. Um die Sicherheit des Personals und der Teilnehmenden zu gewährleisten, wird ein Schutzkonzept auf der Grundlage der Richtlinien der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern erarbeitet.

Die übrigen unserer Kurse, welche mehr als 5 Teilnehmende zählen, werden bis zum 8. Juni weiterhin im Fernunterricht über Zoom angeboten. Mentoring und individuelle Betreuung der Teilnehmenden werden bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls weiterhin über Zoom angeboten.

Forum Together und COVID-19

ACHTUNG: LibriMondo bleibt bis auf weiteres geschlossen. Informationen zu den Veranstaltungen des Forum Together finden Sie unter: www.multimondo.ch/veranstaltungen/

Die COVID-19-Situation und die diesbezüglichen Massnahmen gehen nicht spurlos am Forum Together vorbei, das in seinen verschiedenen Aktivitätsangeboten stark auf persönliche Treffen basiert. Aber auch wir haben uns den Zeiten angepasst und bieten zurzeit Folgendes an:

  • Fern-Verleih: LibriMondo schickt Überraschungspakete mit 3-5 Büchern in der Sprache Ihrer Wahl für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.
  • Auf Facebook oder in unserer Whats’App Gruppe “Forum Together KIDS” werden Ihnen Aktivitäten für Kinder vorgeschlagen. Melden Sie sich unter 077 905 75 61, um der Gruppe hinzugefügt zu werden.
  • Forum Together online-Veranstaltungen:
    • Am 8. Mai fand unser erster DialogueAbend auf zoom statt! Diskutiert haben wir zum Thema “Klimakrise und COVID-19. Gedanken über die Zukunft. Was können wir als Privatpersonen tun?”
    • Auch der Dialogue-Abend vom 2. Juni 2020 zum Thema «Psychische Gesundheit: Migration, ein Einflussfaktor unter anderen?» in Zusammenarbeit mit der Stiftung Berner Gesundheit wird voraussichtlich auf zoom stattfinden.
    • Ebenfalls auf zoom trifft sich unser spanischer Leseclub. Für mehr Informationen können Sie sich direkt per Email bei Eva Troya (troyaeva@gmail.com) melden.
    • Am 17. Mai 2020 um 11 Uhr findet die Lesung “Zwischen den Zweigen” mit Annalisa Hartmann und Désirée Scheidegger auf zoom statt.
    • Und auch am nationalen Vorlesetag am 27. Mai 2020 wird das Forum Together ein online-Angebot zusammenstellen.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Veranstaltungen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender oder auf Facebook.

Auf Facebook finden Sie uns unter folgendem Link: www.facebook.com/multimondo.ch/

Zum Multimondo-Veranstaltungskalender kommen Sie über diese Link: www.multimondo.ch/veranstaltungen/

Und neu erreichen Sie uns auch per SMS oder WhatsApp unter 077 905 75 61, per Email können Sie sich an sylvia.joss@multimondo.ch oder info@multimondo.ch wenden.

Anpassungen der derzeitigen Dienstleistungen von MULTIMONDO

Nach den Beschlüssen des Bundesrates zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie haben wir MULTIMONDO geschlossen, um unsere Freiwilligen, Teilnehmer*innen und Mitarbeiter*innen zu schützen. Wir möchten unseren Teilnehmenden jedoch weiterhin unsere Dienstleistungen und Unterstützung anbieten:

  • Unsere Hotline ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr unter der Nummer 032 322 50 20 erreichbar.
  • Wir führen alle unsere Beratungen oder Kurse weiter; per Telefon, per Post, Video, Online oder per E-Mail. Bei Fragen könnt ihr uns jederzeit unter info@multimondo.ch kontaktieren.
  • Wer an einem Programm zur Arbeitsmarktintegration teilnimmt, kann sich an 077 440 93 02 oder ensuisse@multimondo.ch wenden. / Für eine Betreuung stehen wir weiterhin per E-Mail oder Telefon zur Verfügung. Es wird auch eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet, die die neuesten Nachrichten über das Programm und die aktuelle Situation enthält. Trotz der aktuellen Situation gibt es viele Beschäftigungsmöglichkeiten.
  • Wir entwickeln Lösungen, damit Kurse aus der Ferne fortgesetzt werden können, die Leseclubs auf Online-Plattformen stattfinden können usw. / Verfolgt die Neuigkeiten auf unserer Homepage unter “Aktuell” auf www.multimondo.ch
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