Das Forum Together im Juni/Juli/August

Für Kinder:

Am 3. Juli und 28. August finden die nächsten Kinderkonzerte statt! Eure Kinder können einen weiteren Teil der Geschichte von Himmu, dem Drachen und Colette, dem Kolibri hören und dabei neue Melodien aus aller Welt kennenlernen.

Am Schweizer Vorlesetag am 26. Mai wollten wir bei schönem Wetter eine Geschichtensuche durch Biel durchführen, da es etwas wechselhaft war, haben wir uns für das Regenprogramm, einem mehrsprachigen Kamishibaï entschieden. Gerne möchten wir diese Aktivitäten (wieder) organisieren, vielleicht im Sommer! Über unsere Webseite, Facebook oder WhatsApp-Verteilerliste bleiben Sie auf dem Laufenden.

Ansonsten könnt ihr jederzeit der Whatsapp-Gruppe «Forum Together KIDS» beitreten, um regelmässig Ideen für Aktivitäten für Kinder zu erhalten und auch über unsere Veranstaltungen für Kinder informiert zu werden. Kontaktieren Sie uns unter 077 905 75 61, um der Gruppe hinzugefügt zu werden.

Für Jugendliche:

Das Projekt «Ohren auf Reisen» des Vereins « Zuhören Schweiz » ist im Mai gut angelaufen, und die Teilnehmenden sind derzeit damit beschäftigt Radiobeiträge zu produzieren, die ihre Heimat repräsentieren. Im Juni sind drei weitere Audio-Workshops geplant. Weitere Infos auf dem Flyer und auf Facebook.

Für Erwachsene:

Am 1. Juni fand der Dialogue-Abend zum Thema «Essbare Stadt-Integration durch ein Gartenprojekt?» statt. Die Zusammenfassung dazu sowie Informationen zu zukünftigen Dialogue-Abenden finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook.

Das Brettspiel rund um Sprachen und Kulturen ist in voller Entwicklung. Bei jedem Workshop entdecken wir durch unsere Teilnehmenden neue Sprachen, Kulturen und Traditionen und lernen uns dabei aber auch gegenseitig besser kennen. Interessierte Personen können jederzeit einsteigen. Mehr Informationen gibt es hier.

Der spanische und russische Leseclub treffen sich weiterhin, online oder vor Ort (unter Einhaltung der Schutzmassnahmen), je einmal im Monat, um Bücher in der jeweiligen Sprache zu besprechen.

Der Informationsabend zum Thema «Jugendlohn», den das Forum Together zusammen mit dem Chindernetz Bern im letzten Herbst im Multimondo organisiert hat, wird am 31. August 2021 erneut angeboten. Wie lernen Kinder und Jugendliche mit Geld umzugehen? Wie können Eltern mit ihren Kindern über Geld sprechen? Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es und was sollen Kinder und Jugendliche darüber wissen? Sind einige der Fragen, die dabei besprochen werden. Mehr Informationen folgen bald in unserem Veranstaltungskalender und auf Facebook.

Für Alle:

Der Soli-Schrank öffnet jeden Donnerstag von 9:30 bis 11:30 Uhr und Montag bis Freitag zwischen 11-12 Uhr im Multimondo. Sie können kostenlose Artikel finden (Kleidung, Spielzeug, Geschirr und vieles mehr). Vom 28. Juni bis 1. August variieren die Öffnungszeiten aufgrund der Sommerferien. Weitere Infos dazu folgen.

Achtung, die Öffnungszeiten von der interkulturellen Bibliothek LibriMondo werden während den Sommerferien anders sein! Sie können weiterhin jederzeit Bücher via Fern-Verleih ausleihen! Weitere Infos zu den Öffnungszeiten, dem Fern-Verleih und sonstigen Angeboten von LibriMondo gibt es hier.

Es gibt freie Stellen!

Wir suchen ab dem 1. August 2021 eine*n Kursleiter*in Deutsch (Mo. und Do. je 6 Stunden)

Mehr Informationen

Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen bis zum 15. Juni 2021 an mariann.halasy-nagy@multimondo.ch

Wir suchen vom 1. August – 31. Dezember 2021 eine Fachperson Kinderbetreuung (40%, Mutterschaftsvertretung)

Mehr Informationen

Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen bis zum 22. Juni 2021 an mariann.halasy-nagy@multimondo.ch

Auf der Stellensuche?

Sind sie auf Arbeitssuche? Wir unterstützen Sie dabei! Die Kursdaten für das zweite Semester unseres Mentoringprogrammes 2021 stehen fest.

Sind die Programmkosten zu hoch? Für Privatpersonen ist eine finanzielle Unterstützung auf Anfrage möglich. Uns steht ein Fonds zur Verfügung, mit welchem wir einen Teil der Kosten übernehmen können. Diese Fondsgelder sind jedoch limitiert, melden sie sich daher möglichst schnell bei uns an!

Sie können uns unter der Nr.: 077 440 93 02 oder per Mail an mentoring@multimondo.ch kontaktieren oder während unseren Öffnungszeiten persönlich vorbeikommen.

Wir befinden uns an der

Neumarktstrasse 64
2503 Biel/Bienne

und sind während den folgenden Zeiten für sie da:

Montag 10.00 -13.00 Uhr
Dienstag 15.00 -18.00 Uhr
Donnerstag 15.00 -18.00 Uhr.

Wir suchen Freiwillige!

Wir suchen Freiwillige, die bereit sind, in unserer Kinderbetreuung mitzuwirken.

Beschreibung des Arbeitseinsatzes
Sie betreuen zu zweit eine kleine Gruppe von Kindern im Alter zwischen 2 und 6 Jahren. Je nach Wetter gehen Sie mit den Kindern nach draussen oder unterstützen sie beim Basteln und Spielen in unserem Betreuungsraum.

Anforderungen
Sie verbringen gerne einen Teil Ihrer freien Zeit mit Kindern und die Kommunikation mit ihnen macht Ihnen Spass? Sie gehen offen auf andere Menschen zu und bringen Wertschätzung, Toleranz und Geduld mit?
Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Deutsch- und/oder Französischkenntnisse min. Niveau B1

Zeitaufwand
pro Einsatz ca. 2,5 h
1- bis 3-mal wöchentlich.

Kontaktperson
Silvana Keck-Drammeh, silvana.keck@multimondo.ch
032 322 50 20

Zusammenfassung 11. Dialogue-Abend

Am 23. März fand der elfte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 23. März «Arbeitsausbeutung in der Schweiz: Wie erkennen wir sie und was können wir dagegen unternehmen?» Mit Nicole Emch von ACT212.

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden im Jahr Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Nicole Emch, Koordinatorin Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit von ACT212, war am 23. März zu Gast.

Im Rahmen des Dialogue-Abends stellte Nicole Emch «ACT212, Beratungs- und Schulungszentrum für Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung» vor. ACT212 engagiert sich gegen Menschenhandel und damit verwandte Themen wie sexuelle Ausbeutung und Arbeitsausbeutung. Bereits der Name des Beratungs- und Schulungszentrums steht für seine Handlungsfelder: ACT212 besteht aus dem Akronym für «Agieren, Kooperieren, Thematisieren», gefolgt vom Datum der Ratifizierung des internationalen Abkommens gegen Menschenhandel in der Schweiz am 2. Dezember 1949 (2.12.1949). Das Ziel von ACT212 ist es, den Menschenhandel in der Schweiz und im Ausland zu bekämpfen, die Opfer zu identifizieren und zu schützen und die Täter*innen zu bestrafen. ACT212 verfügt ausserdem über eine niederschwellige nationale Meldestelle, bei der Betroffene, Angehörige, Bekannte, Arbeitgebende oder sonstige Personen Fälle von Menschenhandel oder ausbeuterischen Situationen melden können resp. sich beraten lassen können. Wenn nötig und möglich und in Absprache mit der meldenden Person, werden Fälle an die zuständigen Behörden oder andere zuständigen Stellen weitergeleitet.

Nicole Emch vermittelte zum Einstieg einen Überblick über die verschiedenen Formen, die Menschenhandel annehmen kann:

Menschenhandel kann in Form von sexueller Ausbeutung, Arbeitsausbeutung, organisierter Bettelei, ritueller Gewalt, Zwangsheirat oder der Loverboy-Methode auftreten. «Loverboys» sind Menschenhändler und Zuhälter und oft selbst noch Teenager. Sie verführen Mädchen (12-18 Jahre alt) indem sie ihnen die wahre Liebe versprechen. Das Mädchen wird daraufhin systematisch abhängig von ihm gemacht und zunehmend von ihrem Umfeld isoliert. Nach und nach führt er sie in die Prostitution ein, mit dem Ziel möglichst viel Geld mit ihr zu verdienen. Schliesslich wird sie soweit gebracht, dass sie sich prostituiert, um ihm finanziell zu helfen.

Menschenhandel ist äusserst lukrativ und betrifft weltweit 40 Millionen Menschen (meist Frauen und Kinder). Die häufigste Form des Menschenhandels ist die sexuelle Ausbeutung. Nach dem Schweizerischen Strafgesetzbuch unter Artikel 182 ist Menschenhandel strafbar.

Nicole Emch berichtet, dass seit dem Start der Meldestelle im Oktober 2015 rund 400 Meldungen eingegangen sind. Alle Formen von Menschenhandel kamen in diesen Meldungen vor. Meistens wurden diese Meldungen von Angehörigen vorgenommen, nicht direkt von Betroffenen.

Die weitere Diskussion am Dialogue-Abend konzentrierte sich dann eher auf verschiedene Formen von Arbeitsausbeutung in der Schweiz. Nicole Emch ergänzte, dass von den 400 eingegangenen Meldungen, 29 Meldungen mit insgesamt 57 Opfern die Ausbeutung von Arbeitskräften betrafen.

Die betroffenen Arbeitsbereiche sind vor allem das Bau- und Gastgewerbe, die Landwirtschaft, Dienstleistungen im Schönheitsbereich und Bereiche wie Hausarbeit, Kinder- und Altenpflege, die häufig noch weniger sichtbar sind, weil sie im privaten Bereich liegen. Die Dunkelziffer wird weitaus höher als 29 Fälle mit 57 Opfern geschätzt. Laut Nicole Emch gibt es mehrere Gründe dafür, dass es nur so wenige Meldungen gibt: a) die betroffenen Personen halten sich illegal in der Schweiz auf und wenden sich aus Angst vor einer Ausweisung nicht an die zuständigen Behörden; b) die Personen befinden sich in einer Abhängigkeitssituation (sind beispielsweise auf die Arbeit angewiesen und können es sich nicht «leisten» sich zu wehren und allenfalls die Arbeit zu verlieren); c) die Personen merken selbst nicht, dass sie ausgebeutet werden (sie kennen beispielsweise ihre Rechte als Arbeitnehmende nicht genügend; wissen nicht, dass sie Anspruch hätten auf einen höheren Lohn). Nicole Emch schildert ein markantes Beispiel für die Ausbeutung von Arbeitskräften in der Schweiz. Der betroffene Mann meldete sich an die nationale Meldestelle und schilderte seinen Fall:

Er kommt aus einem europäischen Land und gibt an, dass er für mehrere Monate in einem Betrieb in der Schweiz gearbeitet habe, ohne Lohn dafür zu bekommen. Während der Zeit in der Schweiz wohnt er für einen kleinen Mietbeitrag bei Landsleuten. Weil er den Lohn nicht erhält, kann er seinen Lebensunterhalt nicht länger finanzieren und muss in sein Heimatland zurückkehren.

Erst nach mehr als einem Jahr nimmt er seinen Mut zusammen und kontaktiert von zuhause aus die Meldestelle. Er wird mit einer Beratungsstelle im betroffenen Kanton vernetzt.

Wie können wir diese Situationen leichter erkennen und was können wir dagegen unternehmen? Laut Nicole Emch ist ein wichtiger Schritt, die Sensibilisierung von Fachpersonen, Arbeitsgebenden, aber auch der Bevölkerung für die Thematik sowie die Bekanntmachung von Melde- und Beratungsstellen wie ACT212. Auf politischer Ebene gibt es die Forderung, so Nicole Emch, die derzeitige Gesetzesgrundlage zu ändern, da diese aktuell oft nicht genug greift.

Das Thema ist sehr breit gefächert und warf mehrere Fragen im Publikum auf. Der Abend hat verdeutlicht, dass es schwierig einzuschätzen ist, ob eine Situation unter Ausbeutung kategorisiert werden kann oder nicht. Die Grenzen sind flexibel und es gibt keine klare Gesetzgrundlage. Wichtig ist sicherlich, sich der Situation bewusster zu werden, auch in Bezug auf Konsum, und bei Verdachtsfällen zu handeln und sich beispielsweise beraten zu lassen. Bei der Meldestelle können Fälle geschildert und eine erste Einschätzung eingeholt werden und anschliessend kann noch entschieden werden, ob der Fall weitergeführt werden soll oder nicht. Die Meldung kann komplett anonym erfolgen.

Wenn Sie eine betroffene Person sind oder jemanden kennen, der sich in einer ausbeuterischen Situation befindet, zögern Sie bitte nicht, ACT212 – Nationale Meldestelle unter 0840 212 212 zu kontaktieren.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

Forum Together im April und Mai

Für Kinder:

Am 24. April findet das erste Kinderkonzert in diesem Jahr statt. Die Künstler*innen haben für die Kinder viele neue Melodien aus verschiedenen Teilen der Welt vorbereitet! Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Reserviert euch ausserdem den 26. Mai! Dann bietet das Forum Together im Rahmen des nationalen Vorlesetages nämlich ein spannendes und mehrsprachiges Programm für Kinder an!

Für Jugendliche:

Der Verein «Zuhören Schweiz» kommt mit seinem Projekt «Ohren auf Reisen» nach Biel. Im Mai und Juni können Jugendliche an mehreren Abenden eigene Aufnahmen machen von Sounds, Geräuschen, Musik, Stimmen und Sprachen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Sie lernen einfache Mittel der Audioproduktion (Aufnahmetools, Schnittsoftware) kennen und «bauen» mit Unterstützung ihr persönliches Hörstück. Weitere Infos folgen bald auf unserer Website und auf Facebook.

Für Erwachsene:

Der spanische und russische Leseclub treffen sich weiterhin, online oder vor Ort (unter Einhaltung der Schutzmassnahmen), je einmal im Monat, um Bücher in der jeweiligen Sprache zu besprechen.

Ab April finden ausserdem die ersten Ateliers zur Entwicklung eines Brettspiels rund um Sprachen und Kulturen statt. Das Spiel soll verschiedenen Sprachen und Kulturen Raum bieten und den Austausch und das gegenseitige Verständnis fördern. Interessierte können jederzeit einsteigen. Mehr Informationen gibt es hier.

Nach dem ersten Infoabend im September 2020 im Multimondo, ist am 8. Mai im Haus pour Bienne das erste Treffen vom Projekt «Unsere Stimmen Biel» geplant. An diesem Treffen werden die Themen ausgewählt, zu denen das Projekt Empfehlungen erarbeiten wird. Die ausgewählten Empfehlungen werden dann am 12., 19. und 26. Juni in weiteren Veranstaltungen vertieft. Interessierte können sich unter https://forms.gle/9uqL8KkNeEiKk21p9 anmelden und bei Fragen unter 079 210 00 24 an Mahtab Aziztaemeh von NCBI melden. Weitere Infos gibt es auch hier.

Für Alle:

Anfang April wurde der Soli-Schrank im Foyer von MULTIMONDO eröffnet. Jeden Donnerstag von 9:30 bis 11:30 Uhr können dort kostenlose Artikel gefunden werden (Kleidung, Spielzeug, Geschirr und vieles mehr).

Die interkulturelle Bibliothek LibriMondo öffnet nach den Frühlingsferien, ab dem 26. April wieder zu den üblichen Zeiten. Weiterhin bieten wir den Fern-Verleih an! Weitere Infos zu den Öffnungszeiten, dem Fern-Verleih und sonstigen Angeboten von LibriMondo gibt es hier.

Sprachen und Kulturen – Spielentwicklung

Workshops rund um Sprachen und Kulturen – Spielentwicklung

Multimondo arbeitet zusammen mit interbiblio, La Red (Fribourg) und Bibliobaobab (Bellinzona) an einem nationalen Projekt, welches das Entdecken lassen von Sprachen und Kulturen durch ein Brettspiel zum Ziel hat. Zwischen April und Oktober sollen dafür in mehreren Ateliers Personen mit verschiedensten Sprachkenntnissen und Migrationserfahrungen zusammenkommen, um bei der Spielentwicklung zu helfen und ihre Kenntnisse zu Sprachen und Kulturen einzubringen. Wann genau und in welcher Form diese Ateliers stattfinden werden, klären wir zurzeit noch ab.

Sie möchten teilnehmen? Dann melden Sie sich gerne bei uns unter forumtogether@multimondo.ch, telefonisch 032 322 50 20 oder per WhatsApp/SMS an 077 905 75 61.

Sie kennen Personen, die interessiert sein könnten? Dann leiten Sie die Information gerne weiter.

 

Zusammenfassung 10. Dialogue-Abend

Am 9. Februar fand der zehnte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 9. Februar «Kinder und Bildschirme – wie können wir unsere Kinder unterstützen, Ausgewogenheit zu finden?» Mit André Huegi von Berner Gesundheit.

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. André Huegi, Fachberater von Berner Gesundheit im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention, war am 9. Februar unser Gast.

André Heugi leitete eine lebhafte Diskussion zum Thema Kinder und Bildschirme ein, indem er uns einige Hintergrundinformationen zum aktuellen Wissensstand sowie Meinungen von Expert*innen auf diesem Gebiet vermittelte. Wir befinden uns bereits seit einigen Jahren im digitalen Zeitalter, doch in dieser Zeit der Pandemie wurde dies umso deutlicher dadurch, dass viele andere Aktivitäten ausfallen resp. eingeschränkt sind oder neu digital angeboten werden. Laut der Schweizer Umfrage JAMES (Jeunes-Activités-Médias-Enquête Suisse auf Deutsch: Jugendliche-Aktivitäten-Medien-Umfragen Schweiz) aus dem Jahr 2020, die mit Tausenden von Jugendlichen in der Schweiz zwischen 12 und 19 Jahren durchgeführt wurde, besitzen immer mehr Kinder ab 12 Jahren ein Smartphone. Das Problem ist jedoch nicht der Besitz eines Smartphones an sich, sondern dass junge Menschen sich weniger schützen als in der Vergangenheit. So war es auch nicht das Ziel des Abends, diese Entwicklung oder gar das Auftauchen von Bildschirmen in unserem täglichen Leben zu verteufeln, sondern sich der Situation zu stellen und zu lernen, das Digitale für unsere Bedürfnisse und Wünsche sinnvoll zu nutzen. Menschen passen sich seit jeher an gesellschaftliche, politische, ökologische und weitere Veränderungen an. Für unsere Zeit heisst das nun die Balance in Hinblick auf die Digitalisierung zu finden.

Für den Umgang in der Kindererziehung mit digitalen Medien haben verschiedene Expert*innen Empfehlungen abgegeben. Laut dem Psychiater Serge Tisseron und der Psychologin Sabine Duflo ist es sinnvoll, die Nutzung der digitalen Medien dem Alter des Kindes anzupassen und so seine Entwicklung zu berücksichtigen. Sie empfehlen kein TV vor 3 Jahren, kein Spielkonsole unter 6 Jahren, Internet ab 9 Jahre und Soziale Netzwerke ab 12 Jahren. Für ein Kind unter 3 Jahren ist es beispielsweise nicht sinnvoll fernzusehen, da kleine Kinder die Welt mit ihren Sinnen entdecken sollten und diese Art der Entdeckung durch Bildschirme nicht unterstützt wird. Dennoch weist André Huegi darauf hin, diese Leitlinie nicht als starre Regel zu betrachten, sondern immer auch die aktuellen Umstände zu berücksichtigen. Dabei hilft es folgende drei Komponenten zu bedenken: die Bildschirme, das Kind und die Umgebung. Konkret heisst das, dass mitbedacht werden sollte: a) Welchen Nutzen das Kind aus den digitalen Medien ziehen könnte: möchte es mit den Grosseltern in Kontakt treten oder sucht es nach Ablenkung, weil es sich langweilt?; b) Was für das Kind in Bezug auf seine Entwicklung angemessen ist: Das Spiel «Fortnite» könnte einem schüchternen Kind erlauben, seine strategischen Fähigkeiten gegenüber Gleichaltrigen zu zeigen, ein anderes Kind aber gewalttätiger machen; c) Die Umgebung oder der Kontext zum Zeitpunkt: Aus bestimmten Gründen (z.B. Wetter, Krankheit, o.ä.) könnten zwei Stunden Videospiele statt einer erlaubt werden. André Huegi betont auch, wie wichtig es ist, das Kind bei der Nutzung digitaler Medien zu begleiten, es also nicht allein und ohne Bezugspunkte zu lassen. Das bedeutet nicht, dass die Eltern kontrollieren/überwachen sollten, was das Kind tut, sondern dass die Eltern, dem Kind helfen sollten, Medienkompetenzen zu entwickeln. Medienkompetenz bezieht sich dabei auf die vernünftige und bewusste Nutzung (z.B. in Bezug auf das Posten von Fotos, Kontakte übers Internet oder auch der respektvolle Umgang mit anderen Nutzer*innen) und nicht auf die technische Nutzung (wissen wie etwas bedient wird). Das Kind bei der Nutzung von digitalen Medien zu begleiten heisst aber auch, mit dem Kind eine Verbindung und den Dialog aufrechtzuerhalten indem beispielsweise nachgefragt wird, was es geschaut hat oder warum es ein Spiel interessant findet, ohne es dabei abzuwerten oder schlecht zu machen.

Nach dem Input von André Huegi teilten die Teilnehmenden ihre persönlichen Erfahrungen und Bedenken bezüglich digitaler Medien und der Wirkung, die sie auf ihre Kinder haben oder haben könnten: Ist es legitim, Regeln für die Verwendung von Bildschirmen aufzustellen, oder sind wir zu besorgt? Wie kann ein Rahmen gesetzt werden, wenn es auf der anderen Seite den Druck von Gleichaltrigen gibt, die vielleicht mehr Freiheiten im Umgang mit digitalen Medien haben? Wie kann vermeiden werden, dass das Kind aus seiner Gruppe von Freund*innen ausgeschlossen wird, die zwar Videospiele spielen, aber gleichzeitig auch andere Interessen haben? André Huegi hat uns gezeigt, dass es kein Wunderrezept gibt, dass aber in jedem Fall das Setzen eines Rahmens und klarer Regeln für die Nutzung digitaler Medien legitim und notwendig und im Grunde auch ein Liebesbeweis ist. Auch gemäss der Psychologin Sabine Duflo müssen Eltern Kindern mit vernünftigen Regeln helfen ein Gleichgewicht zu finden. Denn Kinder sind (noch) nicht in der Lage, sich selbst zu regulieren, insbesondere im Umgang mit digitalen Medien, die ein hohes Suchtpotenzial haben. Dabei ist es empfehlenswert die drei oben genannten Elemente zu berücksichtigen (die Bildschirme, das Kind und die Umgebung) und die Regeln auch zusammen mit dem Kind zu diskutieren und bei Bedarf weiterzuentwickeln. Durch das Festlegen von Regeln teilen die Eltern ausserdem auch ihre Werte mit dem Kind, was auch sehr wichtig ist.

Am Ende steht immer auch die grosse Frage: «Wie kann man gute Eltern sein?» Elternsein ist nicht immer einfach, versicherte auch André Huegi. Es ist aber hilfreich, sich daran zu erinnern, dass manchmal für das Kind ein «Nein» besser ist als ein «Ja», auch wenn es im Moment schwerer zu akzeptieren ist. Zentral dabei ist, den Kontakt und den Dialog zum Kind zu halten. Sich zu informieren und um seine Kinder zu sorgen, ist bereits ein Schritt in diese Richtung.

 

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

Zusammenfassung 9. Dialogue-Abend

Am 8. Dezember fand der neunte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 8. Dezember «Politische Mitsprache ohne Schweizer Pass – welche Möglichkeiten gibt es? und reichen diese aus?» Mit Floride Ajvazi-Dirscherl und Tatiana Vieira.

Seit 2018, organisiert der Verein MULTIMONDO die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Am 8. Dezember 2020 waren Floride Ajvazi-Dirscherl, Projektleiterin, Partizipationsmotion/ Kompetenzzentrum Integration Stadt Bern und Tatiana Vieira, Co-Präsidentin des Vereins «Mitstimme» unsere Gäste.

Sylvia Joss, Moderatorin des Abends sowie Projektleiterin vom Forum Together, leitete die Diskussion mit einigen Hintergrundinformationen ein, die grundlegend für das Verständnis der Möglichkeiten der politischen Partizipation von Menschen ohne Schweizer Pass auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene sind. Auf Bundesebene haben Menschen ohne Schweizer Pass kein Stimm- und Wahlrecht, was zum Ausschluss von 33% der Bevölkerung führt. Auf kantonaler Ebene besitzt nur wer im Kanton Jura oder Neuenburg wohnhaft ist, auch ohne Schweizer Pass das Stimm- und das aktive Wahlrecht, jedoch nicht das passive Wahlrecht (Recht gewählt zu werden). Auf Gemeindeebene wiederum gewähren vier Kantone (Jura, Neuenburg, Waadt und Freiburg) das Stimm- und volle Wahlrecht. Genf gewährt das Stimm- und aktive Wahlrecht auf Gemeindeebene. Drei weitere Kantone (Graubünden, Appenzell Ausserroden und Basel-Stadt) kennen das fakultative Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene, d.h. die Gemeinden können entscheiden, ob sie Personen ohne Schweizer Pass das Stimm- und Wahlrecht gewähren.

Auch wenn es noch wenige Kantone und Gemeinden sind, die inklusivere Richtlinien für die politische Partizipation ihrer Einwohner*innen ohne Schweizer Pass haben, gab es in den letzten Jahren doch einige Bestrebungen in diese Richtung. So wurden an verschiedenen Orten Initiativen lanciert, die aber bisher an der Urne scheiterten. In Basel-Stadt wurde 2010 eine Initiative zur Einführung des Stimmrechts für Ausländerinnen und Ausländer abgelehnt, in Basel-Landschaft wurde 2017 die Initiative «Stimmrecht für Niedergelassene» abgelehnt. Die Stadt Zürich will das kommunale Ausländerstimmrecht einführen, in Bern wurde vor wenigen Wochen eine Initiative für das kommunale Stimm- und Wahlrechtrecht für Personen ohne Schweizer Pass mit 76 zu 68 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt.

In einigen Kantonen und Gemeinden, in denen Menschen ohne Schweizer Pass nicht stimm- und wahlberechtigt sind, gibt es jedoch Alternativen für die politische Partizipation. Floride Ajvazi-Dirscherl und Tatiana Vieira stellten je ein Modell der politischen Partizipation in ihrer Stadt oder ihrem Kanton vor. Floride Ajvazi-Dirscherl präsentierte uns die Partizipationsmotion, die seit 2016 in der Stadt Bern in Kraft ist. Die Partizipationsmotion ermöglicht es Menschen ohne Schweizer Pass, sich mit einem konkreten Anliegen an den Stadtrat zu wenden und sich somit auf politischer Ebene einzubringen. Das Anliegen muss in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fallen. Die Motion muss ausserdem von mindestens 200 volljährigen Personen ohne Schweizer Pass (mit Ausweis C, B oder F) unterzeichnet werden, die seit mindestens 3 Monaten in der Stadt Bern leben. Die Motion wird nach Eingang vom Ratssekretariat inhaltlich und formell geprüft. Daraufhin entscheidet das Büro des Stadtrats über die Gültigkeit und die Motion wird dem Gemeinderat zur Stellungnahme vorgelegt (Empfehlung zur Annahme oder Ablehnung). Bei der Beratung im Stadtrat kann der oder die Erstunterzeichner*in (oder eine Vertretung) die Motion vertreten und der Stadtrat entscheidet über eine Annahme oder Ablehnung. Wird die Motion angenommen, hat der Gemeinderat zwei Jahre Zeit für die Umsetzung.

Tatiana Vieira stellte uns den Verein «Mitstimme» vor, dessen Co-Präsidentin sie ist und der 2016 in Basel gegründet wurde. Der Verein hat zum Ziel, die politische Partizipation von Menschen ohne Stimm- und Wahlrecht zu fördern und organisiert dafür seit 2018 die Migrant*innensessionen. Menschen aus der Migration erarbeiten in Arbeitsgruppen verschiedenen Ideen oder Verbesserungsvorschläge zu gesellschaftlichen Themen, die dann an einer parlamentarischen Session (Migrant*innnensession) präsentiert werden. Im Vorfeld der Session werden verschiedene Weiterbildungen organisiert, während denen die Teilnehmenden einerseits das politische System in der Schweiz, ihre Rechte und Pflichten, sowie Handlungsmöglichkeiten näher kennenlernen und andererseits ihre Auftrittskompetenz trainieren. Während dem ganzen Prozess wird aktiv mit lokalen Politker*innen aus verschiedenen Parteien zusammengearbeitet. Sie sind an Sitzungen der Arbeitsgruppen dabei und debattieren mit, lernen die Teilnehmenden während einem Speed-Dating kennen und erfahren so aus erster Hand von den Ideen, Verbesserungsvorschläge und Anliegen der Menschen aus der Migration.

Tatiana Vieira betont, wie wichtig es ist, die Themen, die Menschen aus der Migration bewegen, sichtbar zu machen und für Menschen aus der Migration, zu wissen, wie sie ihre Anliegen darstellen und einbringen können.

Schweizweit gibt es weitere ähnliche Projekte, die die politische Partizipation ohne Schweizer Pass fördern. So gibt es im Kanton St. Gallen den Verein «Die Stimme der Migrantenvereine des Kantons St. Gallen», das Migrantenparlament im Kanton Luzern oder das Projekt «Unsere Stimmen», welches an verschiedenen Orten von NCBI (National Coalition Building Institute) initiiert und koordiniert wird. Dieses Projekt wird neu auch in Biel lanciert, in Zusammenarbeit mit der Stadt Biel und Nidau sowie MULTIMONDO.

Trotz der Ablehnung der Initiative für das Stimm- und Wahlrecht für Menschen ohne Schweizer Pass in Bern, geben die zwei Beispiele sowie weitere Projekte den Teilnehmenden des Dialogue-Abends Hoffnung. Sie sehen auch eine Chance im Vorfeld einer nächsten Abstimmung über dieses Thema noch enger mit den verschiedenen Gemeinden zusammenzuarbeiten und so das Anliegen breiter abzustützen. So kommen die Teilnehmenden zum Schluss, dass es wichtig ist, dieses Anliegen bald erneut vorzuschlagen, denn, wie Floride Ajvazi-Dirscherl sagte: «Steter Tropfen höhlt den Stein».

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

Zusammenfassung 8. Dialogue-Abend

Am 13. Oktober fand der achte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 13. Oktober «Frau und Arbeit: Wie erreichen wir eine Gleichberechtigung im Arbeitsumfeld? » Mit Nina Prochazka und Anna Tanner.

Der Verein MULTIMONDO organisiert die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Nina Prochazka, Organisationsentwicklung, Coach und Expertin für Jobsharing und Arbeit 4.0, und Anna Tanner, Stadtratsmitglied und Sozialarbeiterin, waren unsere Gäste.

Im Verlaufe des Dialogue-Abends haben wir verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit dem Thema des Abends angesprochen wie z.B. Lohngleichheit und weitere Forderungen des Frauenstreiks im Jahr 2019 und uns insbesondere auch mit dem Konzept «Jobsharing» und seinem Potenzial zur Erreichung der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt auseinandergesetzt.

Sandra Joye, Co-Geschäftsleiterin und Leiterin für den Bereich Arbeitsintegration von Multimondo moderierte die Diskussion. Nach einer kurzen Vorstellung der beiden Gäste, Nina Prochazka und Anna Tanner sowie der Teilnehmenden und ihren Erwartungen für den Abend, legte sie mit ein paar Zahlen und Fakten zum Thema den Grundstein für die Diskussion. Bei der Gleichstellung von Mann und Frau liegt die Schweiz derzeit auf Rang 18. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter seit 1981 in der Verfassung verankert ist, sieht die Realität ganz anders aus. Im Jahr 2016 beträgt das mittlere Bruttomonatsgehalt für Männer CHF 6830, während es für Frauen CHF 6011 beträgt. Wie können wir diese Ungleichheit erklären? Laut Anna Tanner gibt es Diskriminierung, die bereits bei der Sozialisation beginnt. Mädchen werden in Aktivitäten ermutigt, die typisch «weiblichen» Werten (Solidarität, Einfühlungsvermögen usw.) entsprechen. So wird der Weg insbesondere für soziale Berufe geebnet, die im Durchschnitt weniger gut bezahlt sind, als typisch «männliche» Berufe. Ausserdem kümmern sich Frauen durchschnittlich auch mehr um unbezahlte «Care-Arbeit», also Kinderbetreuung, Haushalt, Pflege von kranken oder betagten Familienmitgliedern. Auch bei der Geburt eines Kindes, sind es eher Frauen als Männer, welche das Arbeitspensum reduzieren oder den Arbeitsmarkt gar für einige Zeit ganz verlassen. Teilzeitarbeit ist also bei Müttern mit Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren weiterverbreitet als bei Vätern mit Kindern in diesem Alter (59,6% im Vergleich zu 11,2% im Jahr 2017). Männer, die ihr Arbeitspensum reduzieren, machen dies häufiger aufgrund von Weiterbildungen, Frauen aus familiären Gründen.

Und was bedeutet es für eine Frau aber, nicht oder weniger zu arbeiten? Laut Nina Prochazka ist nicht Geld das zentrale Problem, sondern das wertvolle Erfahrungen nicht gewonnen und Fähigkeiten nicht weiterentwickelt werden. Mit einem immer dynamischer werdenden Arbeitsmarkt kann die Möglichkeit sich beruflich weiterzuentwickeln, bereits mit kleinen Auszeiten, erschwert werden. Es sei zentral, immer einen Fuss im Arbeitsmarkt zu behalten, dafür eignen sich auch Teilzeittätigkeiten. Auch Sandra Joye ergänzt, dass ein Praktikum, eine Teilzeit- oder Temporäranstellung zentral sind, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben oder zu werden. So ist dies eine Empfehlung, die für Mütter bei einem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben genauso gilt wie für Personen aus der Migration, Personen über 50 Jahren oder Absolvent*innen auf Arbeitssuche.

Anna Tanner weist dabei noch auf ein wichtiges Phänomen hin: Intersektionalität. Intersektionalität bezeichnet die Mehrfachdiskriminierung, der einige Menschen ausgesetzt sind, sei es im Arbeitsumfeld oder im Alltag. Es kommt zu einer Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungen wie z.B. der Diskriminierung als Frau und als Person aus der Migration. Auch Behinderungen und sexuelle Orientierung oder Identität sind Faktoren, die zu Diskriminierung führen können. Gerade bei Personen aus der Migration kommt bei der Arbeitssuche nebst sprachlichen Barrieren häufig dazu, dass Abschlüsse aus dem Ausland in der Schweiz nicht anerkannt werden. Und für Frauen, mit und ohne Migrationserfahrung, kann eine potentielle Schwangerschaft Grund genug sein, dass ein männlicher Mitbewerber bevorzugt wird.

Die am Frauenstreik vom 14. Juni 2019 gestellten Forderungen basieren auf ebendiesen Problematiken: finanzielle und gesellschaftliche Aufwertung der Arbeit von Frauen z.B. durch Lohnanalysen; mehr Zeit und Geld für Betreuungsarbeit z.B. durch Vaterschaftsurlaub/Elternzeit; Respekt statt Sexismus am Arbeitsplatz z.B. durch ausgebauten Kündigungsschutz bei Mutterschaft und Angehörigenpflege. Die Teilnehmenden des Dialogue-Abends waren sich einig, dass Veränderungen nötig sind, um Gleichstellung im Arbeitsumfeld zu erreichen, mit welchen Mitteln diese aber erreicht werden soll oder kann, wurde dennoch kritisch diskutiert. So merkte beispielsweise Nina Prochazka an, dass die Entschädigung für die Betreuungsarbeit ein System befeuern könnte, das die traditionelle Rollenverteilung festigt und Frauen in die Privatsphäre und Männer in die öffentliche Sphäre drängt. Einig waren sich die Teilnehmenden wiederum darin, dass Sensibilisierungs- und Bildungsarbeit dringend nötig ist und bereits bei der Erziehung von Mädchen und Jungen angefangen werden muss, um Gleichberechtigung, auch im Arbeitsumfeld, zu erreichen. Auch Arbeitgebende, so Anna Tanner, müssten zum Thema sensibilisiert und beispielsweise dazu ermutigt werden, klare Lohnsysteme einzuführen, nach dem Motto: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Obwohl umstritten, könnten auch Quoten in einem ersten Schritt hilfreich sein, um beispielsweise mehr Frauen in den höchsten Unternehmensebenen zu sehen.

Eine weitere Möglichkeit ist für Nina Prochazka «Jobsharing», wobei sich zwei oder mehr Personen eine Arbeitsstelle teilen. Das heisst, eine 100%-Stelle wird mit all ihren Aufgaben und Verantwortungen auf beispielsweise zwei Personen aufgeteilt. Die Aufteilung erfolgt je nach Bedürfnissen (50:50%, 40:60%, 30:70%, …). «Jobsharing» tauchte erstmals in den 1970er Jahren in den USA auf. Es ermöglicht Menschen, die gerne Teilzeit arbeiten möchten, den Zugang zu verantwortungsvollen Positionen, die häufig nur in Vollzeit zu besetzen sind. Auch gegen Diskriminierung bietet Jobsharing spannende Möglichkeiten. So können sich beispielsweise Berufserfahrene mit Berufseinsteigenden, eine Frau und ein Mann, eine Person mit und eine ohne Migrationserfahrung, Personen mit verschiedenen Sprachkenntnissen oder sonstigen sich ergänzenden Fähigkeiten eine Stelle teilen. Die Anforderungen an die einzelnen Personen werden somit etwas weniger hoch und gleichzeitig wird das Team diverser. Und Diversität bringt mehr Ideen und mehr Lösungen. Nina Prochazka berichtet, dass Jobsharing über alle Branchen und Positionen möglich und bereits umgesetzt wird. Wichtig ist dabei den*die richtige Stellenpartner*in zu finden und sich gleich als Team auf eine Stelle zu bewerben.

Der Dialogue-Abend zeigte einmal mehr eine komplexe Realität, mit der wir tagtäglich konfrontiert sind, bot aber auch konkrete Lösungsansätze und wichtige Reflektionen, nicht zuletzt in Bezug auf Vielfalt. Wenn wir etwas über Vielfalt lernen, wird es leichter, uns alle als ein kohärentes Ganzes zu erkennen.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

 

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