Erster weiterführender Reinigungskurs im Bereich der Hauswartung

MULTIMONDO organisiert jedes Semester einen siebentägigen Grundkurs Reinigung, welcher jeweils auf eine grosse Nachfrage stösst. Dieser Kurs bereitet die Teilnehmenden auf eine Beschäftigung in einem professionellen Reinigungsunternehmen oder in Privathaushalten vor. Um die Chancen der Absolvent:innen auf dem Arbeitsmarkt weiter zu erhöhen, wird im Oktober 2022 ein weiterführender, spezialisierter Reinigungskurs angeboten. Der Kurs bereitet die Teilnehmenden auf eine Anstellung in der Hauswartung vor.

 

Inhalte

Der auf Hauswartung spezialisierte Reinigungskurs wird in Zusammenarbeit mit CONCIERGE SERVICES SA durchgeführt und besteht aus zwei Teilen:

  • Ein theoretischer Teil, der die Grundlagen der Reinigung, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz und die notwendigen Arbeitsgeräte thematisiert.
  • Ein praktischer Teil, in welchem die theoretischen Inhalte des Unterrichts konkret angewendet werden und die Reinigung von Reinräumen behandelt wird.

 

Ziel

Ziel ist es, spezifische Kompetenzen im Bereich der Hauswartung zu erwerben und in professionellen Reinigungsbetrieben oder bei Privaten zu arbeiten.

 

Daten

25.10. / 26.10. / 27.10.2022

Von 900 – 1200 und von 1300 – 1700

 

Kosten

Fachkurs: CHF 480 (inkl. Material).

Anmeldegebühr: CHF 30

 

Anmeldung

Per Telefon unter 032 322 50 20 oder per E-Mail an info@multimondo.ch

Persönliche Anmeldung: In MULTIMONDO, am Montag: 1000-1300 Uhr oder Dienstag & Donnerstag: 1500-1800 Uhr.

 

Flyer

Der 16. Dialogue-Abend fand am 24. April statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 24. April «Energiesparen im Alltag – Was kann ich für die Umwelt und das Portemonnaie tun?» mit Florian Hitz.

Florian Hitz arbeitet seit 20 Jahren mit Menschen mit Migrationserfahrung und ist ein Natur- und Umweltschützer.

An diesem Abend ermutigte unser Gast die Teilnehmenden zunächst, über das Thema Energie nachzudenken, und gab dann einige Anregungen dazu, wie man Energie, aber auch Geld sparen kann.

An diesem Abend ging es vor allem um zwei grosse Fragen:

Wie kann ich Strom sparen?

Jedes Haushaltsgerät hat ein Etikett, das von A bis G reicht: Es ist besser, die Geräte mit dem Etikett A+ zu kaufen, da sie weniger Strom verbrauchen. Die Website «Energie-Umwelt» zeigt im Überblick, was wie viel Strom verbraucht: Internet, Fernsehen, Telefon, Videospiele und Musik verbrauchen zum Beispiel 23 % des Stroms im Haushalt.

Nachfolgend finden Sie einige Tipps, um Strom und Geld zu sparen:

  • Geschirrspüler und Waschmaschine: Es ist wichtig, die Maschine immer vollständig zu füllen und das Öko-Programm (falls verfügbar) zu wählen oder bei niedrigen Temperaturen wie 30°C zu waschen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Sie die Maschine nachts statt tagsüber laufen lassen, da Sie so Stromkosten sparen können.
  • Kühlschrank und Gefrierschrank: Die richtige Temperatur für den Kühlschrank ist 5°C und für den Gefrierschrank -18°C.
  • Wäschetrockner: Sie sollten ihn so wenig wie möglich benutzen. Er verbraucht viel Energie: 13 % des Stroms im Haushalt.
  • Lampe: LED-Lampen anstelle von alten Glühbirnen bevorzugen.
  • Steckdose: Auch wenn das Gerät im Stand-by-Modus ist, verbraucht es Strom. Deshalb ist es vorteilhaft, Mehrfachstecker zu verwenden, da Sie diese ausschalten können.
  • Boiler: Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Sie elektrische Boiler vermeiden und stattdessen Solarzellen verwenden.

Hier gibt es weitere Tipps zu den verschiedenen Haushaltsgeräten.

 

Wie kann ich Energie sparen?

Durch die Heizung: Die Temperatur in jedem Zimmer sollte nicht zu hoch sein. Im Schlafzimmer sollte die Temperatur nicht höher als 17°C und im Wohnzimmer nicht höher als 20°C sein. Ausserdem sollte im Winter zweimal fünf Minuten lang gelüftet werden, anstatt die Fenster den ganzen Tag über gekippt zu lassen.

Durch Mobilität: Zu Fuss, mit dem Velo, Bus, Zug und Auto mit umweltfreundlicher Fahrweise und/oder Fahrgemeinschaften reisen.

Durch die Reparatur von kaputten Gegenständen, wo immer dies möglich ist. Alles, was wir produzieren, benötigt Energie. Durch die Reparatur eines Gegenstandes können wir also Energie einsparen. Das Repair Café, in dem Sie Ihre kaputten Gegenstände reparieren können, gibt es an 194 Orten in der Schweiz. Der nächste Termin in Biel ist am 17. September von 10 bis 16 Uhr in der Kontrollstrasse 22.

 

Heute scheint es wichtiger denn je, sich diese beiden grossen Fragen (Wie kann ich Strom sparen? und Wie kann ich Energie sparen?) zu stellen, für die Umwelt, die Gesundheit, das Portemonnaie, die Kinder und gegen den Klimawandel.

Und Sie? Was tun Sie für die Umwelt? Wählen Sie einen der gegebenen Tipps aus und setzen Sie ihn um. Dies ist ein erster Schritt zu einer grossen Veränderung.

Gesundheitsinformationen für alle

Die Plattform migesplus.ch liefert «Gesundheitsinformationen für alle» in 50 Sprachen – aktuell auch für die Geflüchteten aus der Ukraine.

 

Auf der «Themenseite Ukraine» finden Geflüchtete und die sie betreuenden Fachkräfte und Freiwillige nützliche Informationen

  • zu Einreise und Aufenthalt
  • zur medizinischen Versorgung
  • zur psychosozialen Unterstützung
  • zur Verständigung / Kommunikationshilfen
  • zur Suche von vermissten Angehörigen
  • zum Schutz vor Corona

 

Die Seite wird laufend ergänzt, unter anderem mit Informationen auf Ukrainisch und Russisch.

KiBon – Betreuungsgutschein und Anmeldung Kinderbetreuung

In Zusammenarbeit mit der Stadt Biel wird MULTIMONDO ab April 2022 Menschen mit Migrationserfahrung dabei unterstützen, Anträge für Kindertagesstätten und Tagesschulen zu stellen, und dies gänzlich kostenlos.

 

Kommen Sie während den Öffnungszeiten bei uns vorbei, falls Sie Unterstützung brauchen:

 

Montag 10.00 – 13.00 Uhr
Dienstag 15.00 – 18.00 Uhr
Donnerstag 15.00 – 18.00 Uhr

Das Forum Together erwacht aus dem Winterschlaf

Die Sonne scheint immer mehr, die Tage werden langsam wärmer und so startet auch das Forum Together langsam, aber sicher mit neuen Aktivitäten ins Jahr. Viele Ideen sind noch in Planung und es gibt noch keine konkrete Daten, folgendes steht aber schon fest:

  • 26. März 2022, 13 – 17 Uhr, Zentralplatz: Das Forum Together wird mit dem Spiel Tausendundeiner Sprache, welches im letzten Jahr gemeinsam mit weiteren Organisationen und zahlreichen Personen entwickelt wurde, auf dem Zentralplatz anzutreffen sein. Gemeinsam mit dem gggfon und der Fachstelle Integration Biel wird Multimondo dort im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus präsent sein und für Fragen und Unterstützung verfügbar sein.

 

  • 28. April 2022, 18:15 – 19:45 Uhr, Foyer Multimondo: erster Dialogue-Abend des Jahres zum Thema «Energiesparen im Alltag – Was kann ich für die Umwelt und das Portemonnaie tun?» Wir diskutieren zusammen mit Florian Hitz, wie wir im Alltag Energie sparen und damit die Umwelt und unser Portemonnaie schonen können. Der Dialogue-Abend findet zweisprachig statt (Deutsch und Französisch). Ziel ist, dass auch Personen, die noch Deutsch (oder Französisch) lernen an der Diskussion teilnehmen können. Mehr Informationen auf dem Flyer.

 

Ausserdem verschicken wir via unserer WhatsApp-Gruppe «Forum Together KIDS» weiterhin jeden Freitag Vorschläge für Aktivitäten für Kinder. Kontaktiert uns unter 077 905 75 61, um der Gruppe hinzufügt zu werden.

Auch unser Soli-Schrank und unser Soli-Bücherregal sind nach wie vor von Montag bis Freitag im Foyer zugänglich und bieten Kleidung, Spielzeug, verschiedene Gegenstände und Bücher gratis zum Mitnehmen an.

Happy Foot: Bald können sich Fussballbegeisterte wieder jeden Montagabend zum Fussballspielen auf dem Fussballplatz Bözingen treffen. Für weitere Informationen nehmt ihr am besten direkt mit Matthieu Bulliard Kontakt auf: matthieu.bulliard@gmail.com oder 077 445 25 75.

Ende Februar fand das erste Treffen im Jahr 2022 unseres russischen Leseclubs statt. Die Daten für die nächsten Treffen stehen noch nicht fest, aber sie werden sobald möglich bekannt gegeben. Wer auf Russisch mitdiskutieren möchte, kann uns gerne jederzeit kontaktieren. Wir freuen uns schon auf die nächsten Bücher, die besprochen werden.

Wir suchen ausserdem Personen, die auf freiwilliger Basis einen Leseclub in einer anderen Sprache organisieren möchten. Auch Deutsch für Deutschlernende oder Französisch für Französischlernende wäre eine Möglichkeit. Interessierte können sich gerne unverbindlich bei uns melden: forumtogether@multimondo.ch, 032 322 50 20, 077 905 75 61.

LibriMondo öffnet neu jeden ersten Freitag im Monat auch nachmittags von 14 – 17 Uhr und ist ansonsten zu den üblichen Zeiten zugänglich (Mo-Fr: 9 – 11:30 Uhr, Mi und Do auch 14 – 17 Uhr). Bücher können auch via Fern-Ausleihe ausgeliehen werden, kontaktiert uns dafür per Email (forumtogether@multimondo.ch), Telefon (032 322 50 20) oder WhatsApp (077 905 75 61).

Für Gruppen öffnen wir die Bibliothek auf Anfrage gerne auch ausserhalb der Öffnungszeiten und wir ergänzen den Besuch gerne mit Animationen in verschiedenen Sprachen. Zum Angebot «LibriMondo erleben» findet ihr mehr Informationen auf diesem Flyer oder auf unserer Webseite.

 

Ihr findet alle unsere Angebote auf unserer Website oder auf Facebook.

Wir freuen uns auf euch!

Zusammenfassung 15. Dialogue-Abend

Der 15. Dialogue-Abend fand am Donnerstag, dem 18. November statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung.

Dialogue-Abend vom 18. November «Diskriminierung im Alltag – Was kann ich tun?» mit Vera Stoll und Giorgio Andreoli vom Gggfon (Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus).

«Diskriminierung im Alltag: Wie handelt man, wenn man Diskriminierung erfährt? Und wenn man sie beobachtet?». So begann Vera Stoll diesen Dialogue-Abend, ein Abend rund um das Thema Diskriminierung.

Bevor wir direkt ins Thema eintauchen, kurz etwas zu Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus (hiernach: Gggfon): Warum wurde diese Stelle gegründet und wie geht sie gegen diskriminierende Handlungen vor?

Gggfon wurde vor 20 Jahren mit dem Anstieg des Rechtsextremismus gegründet. Bei einer 1. August-Feier nahm die Frage, was man dagegen tun kann, viel Raum ein und so wurde Gggfon gegründet. Ihr Ziel findet sich im Namen: Gggfon kämpft Gemeinsam Gegen Gewalt und Rassismus.

Die Beratungs- und Informationsstelle ist in verschiedenen Bereichen tätig: vor allem im öffentlichen Raum, aber auch im privaten Raum durch Einzelgespräche, in der Betreuung von Menschen, die rassistisch diskriminiert werden, sowie in der Unterstützung von Projekten – zum Beispiel in Institutionen, Schulen, usw.

Gggfon handelt immer auf einer gesetzlichen Grundlage und stützt sich dabei insbesondere auf Art. 8 BV (Bundesverfassung), Art. 261bis StGB (schweizerisches Strafgesetzbuch) und Art. 14 EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention).

Seine Aufgabe ist es, über die Thematik zu informieren, sie weiterzugeben und zu sensibilisieren, damit sie immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt.

Aber wie geht Gggfon konkret vor? Wenn der Verein eine Meldung zu einem bestimmten Fall erhält, prüft er die Situation und schätzt ein, wo der Konflikt liegt. Bei der Analyse geht es in erster Linie darum, festzustellen, ob ein Notfalleinsatz erforderlich ist und ob Beweise vorliegen oder nicht.

Die Gäste führten einen konkreten Fall an, um veranschaulichen zu können, wie Gggfon in der Praxis vorgeht. Vor einigen Jahren erhielt die Beratungs- und Informationsstelle mehrere Meldungen über Einlassverweigerungen in Lokale und Diskotheken in der Stadt Bern, die auf der Aufenthaltsbewilligung oder der Hautfarbe basierten. Um diesen Meldungen nachzugehen, nahm der Verein zunächst Kontakt mit den Betreibern der betroffenen Lokale auf, was sich zunächst als schwierig erwies. Anschliessend wurde eine Medienkampagne gestartet: Ein Radioprogramm und mehrere Medien verbreiteten die Nachricht und ein*e Parlamentarier*in brachte einen Antrag ein, in dem sie*er die Situation mit der Fussball-Europameisterschaft in Verbindung brachte. Sie*Er wies darauf hin, dass es ein schlechtes Bild abgeben würde, wenn man den Holländer*innen den Zutritt in die Schweiz verweigern würde. Die Grösse der Kampagne ermöglichte eine Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei und dem Parlament, um gemeinsam im Kampf gegen Rassismus vorzugehen. So konnte das Parlament Massnahmen einführen, die bis zum Entzug des Mietrechts für die Betreiber*innen von Lokalen reichten, die weiterhin diskriminierten. Von insgesamt 25 Lokalen änderten schliesslich 20 ihre Praktiken.

Im Laufe des Abends entstand ein Raum für den Austausch zwischen den Teilnehmenden. Mehrere Fragen wurden gestellt, z.B. ob es eine Verjährungsfrist für die Meldung von Fällen gibt. Vor allem im Rechtsbereich gibt es tatsächlich Fristen, die eingehalten werden müssen, während es im Sozialbereich keine gibt. Giorgio Andreoli und Vera Stoll betonten auch die Bedeutung des Netzwerks, das sie umgibt. Denn Gggfon hat in manchen Fällen nicht die ausreichenden Ressourcen, um die Situation zu lösen, und muss daher andere Dienste wie die Polizei, einen psychologischen Dienst, Schulen oder die Fachstelle für Integration einschalten.

Ein weiteres Gggfon-Projekt, das in der Diskussion vorgestellt wurde, heisst Dialogue 3 und wurde nach mehreren Meldungen über Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe durch die Polizei (racial profiling) ins Leben gerufen. Vor den Meldungen wurde diese Praxis aufgrund ihrer Illegalität als nicht existent wahrgenommen. Nach mehreren Warnungen wurde die Polizei jedoch auf die Existenz aufmerksam und es kam zu einer Zusammenarbeit mit Gggfon. Dank dieses Projekts hat eine von der Polizei kontrollierte Person nun die Möglichkeit, sich mit dem betreffenden Polizisten oder der betreffenden Polizistin ausserhalb des gesetzlichen Rahmens auszutauschen. Ein*e Mitarbeiter*in von Gggfon übernimmt die Moderation des Gesprächs, was zu einem anderen Austausch und zu mehr Verständnis zwischen den beiden Parteien führt.

Der wohlwollende Raum dieses Abends ermöglichte es einem*r Teilnehmenden, dem Rest des Publikums von einer Rassismuserfahrung zu berichten, die ihr*sein Kind in der Schule gemacht hatte. Anhand dieses Vertrauens betonte Gggfon, wie wichtig es ist, solche Fälle zu kommunizieren und zu melden, und vor allem, dem Opfer von Diskriminierung oder Rassismus immer zu glauben.

Am Ende des Abends waren eine Atmosphäre der Unterstützung und der Wunsch, gegen Rassismus und die in jedem von uns verankerten Mechanismen zu kämpfen, spürbar. Eine Person betonte, dass dies eine Frage der Generationen sei: Ältere Generationen hätten mehr Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass es Rassismus gibt, während jüngere dies bereits getan hätten. Als Beispiel nannte sie den Geschlechtswechsel: Während dies für junge Menschen immer normaler erscheint, haben Erwachsene noch grössere Schwierigkeiten, dies zu verstehen oder zu akzeptieren.

Abschliessend: Was waren die wichtigsten Erkenntnisse dieses Abends? Es gibt zwei individuelle Massnahmen, die umgesetzt werden müssen: Beobachten und Kommunizieren. Die Zivilgesellschaft ist immer der erste Kontakt, der sieht, aber oft nicht spricht. Damit es zu einer Veränderung und einer Abkehr von rassistischen Praktiken kommt, muss man diese Ungerechtigkeit melden und Zeug*in davon sein.

Wenn Sie selbst betroffen sind, jemanden kennen, der von rassistischer Diskriminierung betroffen ist oder wenn Sie Zeug*in von rassistischer Diskriminierung einer anderen Person sind, wenden Sie sich bitte an Gggfon unter 031 333 33 40.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

Zusammenfassung Dialogue-Spezial

Am 3. September fand der spezielle Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung.

Spezieller Dialogue-Abend vom 3. September: «Kinderbücher – Was für eine Gesellschaft zeigen sie?», mit Licia Chery, Autorin des Buches «Tichéri a les cheveux crépus».

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden im Jahr Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Bei diesem speziellen Dialogue-Abend für Erwachsene und Kinder hatten wir Licia Chery zu Gast. Ihre Webseite stellt klar, dass sie «macht, was sie will»: sie ist Sängerin, Autorin, Komponistin und Animatorin sowie sehr engagiert gegen Rassismus und für Veränderungen.

Im Jahr 2019 veröffentlicht Licia Chery ihr erstes Kinderbuch, «Tichéri a les cheveux crépus» (Tichéri hat krauses Haar), in dem sie die Geschichte eines kleinen Genfer Mädchens erzählt, das Opfer einer Mikroagression in der Schule wurde. Durch Gespräche mit ihrer Mutter lernt Tichéri, was Diversität bedeutet und wie sie sich in einer Welt positionieren kann, in der ihre Vorbilder ihr nicht immer ähnlich sind. Einerseits entsteht «Tichéri a les cheveux crépus» also aus der Notwendigkeit heraus, den Kindern eine Realität zu zeigen, die bisher in Kinderbüchern nicht dargestellt wurde – die Darstellung verschiedener Realitäten ermöglicht es jedem Kind, ein Vorbild zu haben, das ihm ähnlich ist. Andererseits möchte Licia Chery den Kindern von heute einen Weg geben, um bestimmte rassistische Vorfälle zu verstehen und darauf zu reagieren – etwas, das nicht der Fall war, als sie selbst noch ein Kind war und mit solchen Situationen konfrontiert wurde.

Während des Abends hat Licia Chery uns aus ihrem Buch vorgelesen und führte die anwesenden Kinder in eine Reflexion über Stereotypen, Rassismus und Diversität ein. Anschliessend hielt sie den Erwachsenen eine Präsentation über die Diskriminierung von Schwarzen Menschen und zeigte auf, wie sie zu Veränderungen beitragen können.

Die Beispiele, mit denen Licia Chery uns die Diskriminierung von Schwarzen Menschen nahebringt, sind Vorfälle, die sie seit ihrer Kindheit selbst erlebt hat, aber auch Dynamiken in den Medien und in anderen Lebensbereichen. Diskriminierung kann, wie uns Tichéris Geschichte verdeutlicht, auf körperlichen Merkmalen wie Haaren beruhen, die von weissen Menschen als anders oder nicht der Norm entsprechend wahrgenommen werden (obwohl das Haar von weissen auch anders ist als das von Schwarzen). Das Thema Haare wird besonders deutlich, wenn man berühmte Schwarze Frauen als Beispiel nimmt. Die meisten erfolgreichen Schwarzen Frauen glätten ihr krauses Haar. Ein weiterer Weg, durch den Licia Chery auf diese Diskriminierung aufmerksam wurde, war der Beruf ihrer Mutter. Ihre Mutter war Pflegefachfrau, aber Licia Cherys Lehrerin war überzeugt, dass sie Pflegehelferin war, weil ihrer Meinung nach eine Schwarze keine hochqualifizierte Arbeit verrichten konnte. Dazu prägten vor allem zwei weitere Vorfälle Licia Cherys Kindheit und nahmen ihr die Unschuld: Der erste ereignete sich, als die Eltern eines Kindes äusserten, sie wollten nicht, dass ihr Kind mit einer Schwarzen spielt, und der zweite, als ein Kind während eines Spiels sich vor ihr ekelte.

Abgesehen von diesen Vorfällen, die die Autorin selbst erlebt hat, gibt es auch in anderen Zusammenhängen Diskriminierung von Schwarzen Menschen, wenn auch weniger sichtbar und subtiler. Licia Chery nannte uns das Beispiel einiger britischer Boulevardzeitungen und deren Diskriminierung von Meghan Markle, die Schwarz ist und von den betreffenden Zeitungen völlig anders behandelt wurde als Kate Middleton, die weiss ist. Das Beispiel der Boulevardzeitungen unterstreicht die unterschiedliche Behandlung einer nicht-weissen Person, unabhängig von ihrem Status. Ein weiteres Beispiel, das genannt wurde, ist die fehlende Anerkennung für die wesentlichen Beiträge vieler Schwarzer Wissenschaftler*innen in verschiedenen Bereichen (Gesundheit, Luft- und Raumfahrt, usw.). Die Wissenschaftler*innen, die als Beispiel genannt werden, sind der breiten Öffentlichkeit nicht oder nur wenig bekannt.

Licia Chery merkte schnell, dass es für sie, wie für viele Schwarze, nicht ausreichte, den Durchschnitt anzustreben, sondern dass sie viel mehr anstreben musste, um etwas zu werden. Diese Tatsache muss den Kindern so früh wie möglich vermittelt werden, damit sie die Situation verstehen und lernen, darauf zu reagieren. Es liegt aber vor allem auch an uns allen, sich der Situation zu stellen, sie zu verstehen und dazu beizutragen, sie zu ändern.

Jede*r von uns kann auf Diskriminierung reagieren, und Licia Chery hat uns einige Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir Verbündete werden und versuchen können, etwas zu verändern. Als Erstes ist es wichtig, die richtigen Begriffe zu verwenden, wenn wir über das Thema sprechen: Wir sollten uns nicht scheuen, den Begriff «Schwarze*r» zu verwenden, statt uns hinter wenig repräsentativen Begriffen wie «Dunkelhäutige*r» zu verstecken. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass nicht alle Schwarzen Afrikaner*innen sind, um weitere Stereotypen zu vermeiden. Vor allem aber ist es wichtig, die Selbstbezeichnungen der betroffenen Personen zu respektieren. Als Zweites müssen wir uns bewusst sein, dass unsere Gesellschaft von systemischem Rassismus geprägt ist und dass wir manchmal, ohne es zu merken oder zu wollen, rassistische Äusserungen machen können. Es ist sinnvoll, zuzuhören, ernst zu nehmen und nicht defensiv zu werden, wenn uns jemand darauf aufmerksam macht, dass eine Handlung oder Äusserung von uns rassistisch ist. In diesem Fall sollten wir diese rassistischen Äusserungen nicht leugnen, sondern uns ihrer bewusst werden, uns besser informieren und dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Schliesslich erläutert Licia Chery, wie wichtig es ist, angesichts der vielfältigen Gesellschaft, in der wir leben, eine neue Normalität zu schaffen, zum Beispiel durch Kinderbücher, die es allen Kindern ermöglichen, andere Helden und Heldinnen als die weissen zu sehen.

Obwohl wir das Ziel anstreben sollten, dass alle Menschen als gleichwertig angesehen werden, dürfen wir die bestehenden Unterschiede und die daraus resultierende Ungleichbehandlung nicht leugnen. Diese Unterschiede zu leugnen, würde bedeuten, die Augen vor Diskriminierung zu verschliessen, und würde nicht dazu beitragen, die Dinge zu ändern. Am Ende sind wir alle unterschiedlich, aber wir sind alle gleich viel wert!

 

Anmerkung zur Schreibweise:

– «Schwarz» wird grossgeschrieben, um sichtbar zu machen, dass es sich um eine soziale Konstruktion und eine Eigenbezeichnung handelt und nicht um das Adjektiv oder die Farbe «schwarz».

– «weiss» wird kursiv geschrieben, um deutlich zu machen, dass es sich um eine politische Beschreibung und nicht um eine Farbbezeichnung handelt.

 

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

Ein Freiwilliger bei Multimondo berichtet

Jérôme erklärt uns, wie man sich als freiwillige*r Mentor*in engagieren kann und erzählt was ihn motiviert und was seine Aufgaben sind.

Möchtest du dich auch als Mentor*in bei Multimondo engagieren? Dann ruf uns an: 033 322 50 20 oder schreib uns eine E-Mail: info@multimondo.ch. Wir freuen uns auf dich!

Das Video kannst du dir hier anschauen.

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