Zusammenfassung 15. Dialogue-Abend

Der 15. Dialogue-Abend fand am Donnerstag, dem 18. November statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung.

Dialogue-Abend vom 18. November «Diskriminierung im Alltag – Was kann ich tun?» mit Vera Stoll und Giorgio Andreoli vom Gggfon (Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus).

«Diskriminierung im Alltag: Wie handelt man, wenn man Diskriminierung erfährt? Und wenn man sie beobachtet?». So begann Vera Stoll diesen Dialogue-Abend, ein Abend rund um das Thema Diskriminierung.

Bevor wir direkt ins Thema eintauchen, kurz etwas zu Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus (hiernach: Gggfon): Warum wurde diese Stelle gegründet und wie geht sie gegen diskriminierende Handlungen vor?

Gggfon wurde vor 20 Jahren mit dem Anstieg des Rechtsextremismus gegründet. Bei einer 1. August-Feier nahm die Frage, was man dagegen tun kann, viel Raum ein und so wurde Gggfon gegründet. Ihr Ziel findet sich im Namen: Gggfon kämpft Gemeinsam Gegen Gewalt und Rassismus.

Die Beratungs- und Informationsstelle ist in verschiedenen Bereichen tätig: vor allem im öffentlichen Raum, aber auch im privaten Raum durch Einzelgespräche, in der Betreuung von Menschen, die rassistisch diskriminiert werden, sowie in der Unterstützung von Projekten – zum Beispiel in Institutionen, Schulen, usw.

Gggfon handelt immer auf einer gesetzlichen Grundlage und stützt sich dabei insbesondere auf Art. 8 BV (Bundesverfassung), Art. 261bis StGB (schweizerisches Strafgesetzbuch) und Art. 14 EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention).

Seine Aufgabe ist es, über die Thematik zu informieren, sie weiterzugeben und zu sensibilisieren, damit sie immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt.

Aber wie geht Gggfon konkret vor? Wenn der Verein eine Meldung zu einem bestimmten Fall erhält, prüft er die Situation und schätzt ein, wo der Konflikt liegt. Bei der Analyse geht es in erster Linie darum, festzustellen, ob ein Notfalleinsatz erforderlich ist und ob Beweise vorliegen oder nicht.

Die Gäste führten einen konkreten Fall an, um veranschaulichen zu können, wie Gggfon in der Praxis vorgeht. Vor einigen Jahren erhielt die Beratungs- und Informationsstelle mehrere Meldungen über Einlassverweigerungen in Lokale und Diskotheken in der Stadt Bern, die auf der Aufenthaltsbewilligung oder der Hautfarbe basierten. Um diesen Meldungen nachzugehen, nahm der Verein zunächst Kontakt mit den Betreibern der betroffenen Lokale auf, was sich zunächst als schwierig erwies. Anschliessend wurde eine Medienkampagne gestartet: Ein Radioprogramm und mehrere Medien verbreiteten die Nachricht und ein*e Parlamentarier*in brachte einen Antrag ein, in dem sie*er die Situation mit der Fussball-Europameisterschaft in Verbindung brachte. Sie*Er wies darauf hin, dass es ein schlechtes Bild abgeben würde, wenn man den Holländer*innen den Zutritt in die Schweiz verweigern würde. Die Grösse der Kampagne ermöglichte eine Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei und dem Parlament, um gemeinsam im Kampf gegen Rassismus vorzugehen. So konnte das Parlament Massnahmen einführen, die bis zum Entzug des Mietrechts für die Betreiber*innen von Lokalen reichten, die weiterhin diskriminierten. Von insgesamt 25 Lokalen änderten schliesslich 20 ihre Praktiken.

Im Laufe des Abends entstand ein Raum für den Austausch zwischen den Teilnehmenden. Mehrere Fragen wurden gestellt, z.B. ob es eine Verjährungsfrist für die Meldung von Fällen gibt. Vor allem im Rechtsbereich gibt es tatsächlich Fristen, die eingehalten werden müssen, während es im Sozialbereich keine gibt. Giorgio Andreoli und Vera Stoll betonten auch die Bedeutung des Netzwerks, das sie umgibt. Denn Gggfon hat in manchen Fällen nicht die ausreichenden Ressourcen, um die Situation zu lösen, und muss daher andere Dienste wie die Polizei, einen psychologischen Dienst, Schulen oder die Fachstelle für Integration einschalten.

Ein weiteres Gggfon-Projekt, das in der Diskussion vorgestellt wurde, heisst Dialogue 3 und wurde nach mehreren Meldungen über Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe durch die Polizei (racial profiling) ins Leben gerufen. Vor den Meldungen wurde diese Praxis aufgrund ihrer Illegalität als nicht existent wahrgenommen. Nach mehreren Warnungen wurde die Polizei jedoch auf die Existenz aufmerksam und es kam zu einer Zusammenarbeit mit Gggfon. Dank dieses Projekts hat eine von der Polizei kontrollierte Person nun die Möglichkeit, sich mit dem betreffenden Polizisten oder der betreffenden Polizistin ausserhalb des gesetzlichen Rahmens auszutauschen. Ein*e Mitarbeiter*in von Gggfon übernimmt die Moderation des Gesprächs, was zu einem anderen Austausch und zu mehr Verständnis zwischen den beiden Parteien führt.

Der wohlwollende Raum dieses Abends ermöglichte es einem*r Teilnehmenden, dem Rest des Publikums von einer Rassismuserfahrung zu berichten, die ihr*sein Kind in der Schule gemacht hatte. Anhand dieses Vertrauens betonte Gggfon, wie wichtig es ist, solche Fälle zu kommunizieren und zu melden, und vor allem, dem Opfer von Diskriminierung oder Rassismus immer zu glauben.

Am Ende des Abends waren eine Atmosphäre der Unterstützung und der Wunsch, gegen Rassismus und die in jedem von uns verankerten Mechanismen zu kämpfen, spürbar. Eine Person betonte, dass dies eine Frage der Generationen sei: Ältere Generationen hätten mehr Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass es Rassismus gibt, während jüngere dies bereits getan hätten. Als Beispiel nannte sie den Geschlechtswechsel: Während dies für junge Menschen immer normaler erscheint, haben Erwachsene noch grössere Schwierigkeiten, dies zu verstehen oder zu akzeptieren.

Abschliessend: Was waren die wichtigsten Erkenntnisse dieses Abends? Es gibt zwei individuelle Massnahmen, die umgesetzt werden müssen: Beobachten und Kommunizieren. Die Zivilgesellschaft ist immer der erste Kontakt, der sieht, aber oft nicht spricht. Damit es zu einer Veränderung und einer Abkehr von rassistischen Praktiken kommt, muss man diese Ungerechtigkeit melden und Zeug*in davon sein.

Wenn Sie selbst betroffen sind, jemanden kennen, der von rassistischer Diskriminierung betroffen ist oder wenn Sie Zeug*in von rassistischer Diskriminierung einer anderen Person sind, wenden Sie sich bitte an Gggfon unter 031 333 33 40.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

Zusammenfassung Dialogue-Spezial

Am 3. September fand der spezielle Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung.

Spezieller Dialogue-Abend vom 3. September: «Kinderbücher – Was für eine Gesellschaft zeigen sie?», mit Licia Chery, Autorin des Buches «Tichéri a les cheveux crépus».

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden im Jahr Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Bei diesem speziellen Dialogue-Abend für Erwachsene und Kinder hatten wir Licia Chery zu Gast. Ihre Webseite stellt klar, dass sie «macht, was sie will»: sie ist Sängerin, Autorin, Komponistin und Animatorin sowie sehr engagiert gegen Rassismus und für Veränderungen.

Im Jahr 2019 veröffentlicht Licia Chery ihr erstes Kinderbuch, «Tichéri a les cheveux crépus» (Tichéri hat krauses Haar), in dem sie die Geschichte eines kleinen Genfer Mädchens erzählt, das Opfer einer Mikroagression in der Schule wurde. Durch Gespräche mit ihrer Mutter lernt Tichéri, was Diversität bedeutet und wie sie sich in einer Welt positionieren kann, in der ihre Vorbilder ihr nicht immer ähnlich sind. Einerseits entsteht «Tichéri a les cheveux crépus» also aus der Notwendigkeit heraus, den Kindern eine Realität zu zeigen, die bisher in Kinderbüchern nicht dargestellt wurde – die Darstellung verschiedener Realitäten ermöglicht es jedem Kind, ein Vorbild zu haben, das ihm ähnlich ist. Andererseits möchte Licia Chery den Kindern von heute einen Weg geben, um bestimmte rassistische Vorfälle zu verstehen und darauf zu reagieren – etwas, das nicht der Fall war, als sie selbst noch ein Kind war und mit solchen Situationen konfrontiert wurde.

Während des Abends hat Licia Chery uns aus ihrem Buch vorgelesen und führte die anwesenden Kinder in eine Reflexion über Stereotypen, Rassismus und Diversität ein. Anschliessend hielt sie den Erwachsenen eine Präsentation über die Diskriminierung von Schwarzen Menschen und zeigte auf, wie sie zu Veränderungen beitragen können.

Die Beispiele, mit denen Licia Chery uns die Diskriminierung von Schwarzen Menschen nahebringt, sind Vorfälle, die sie seit ihrer Kindheit selbst erlebt hat, aber auch Dynamiken in den Medien und in anderen Lebensbereichen. Diskriminierung kann, wie uns Tichéris Geschichte verdeutlicht, auf körperlichen Merkmalen wie Haaren beruhen, die von weissen Menschen als anders oder nicht der Norm entsprechend wahrgenommen werden (obwohl das Haar von weissen auch anders ist als das von Schwarzen). Das Thema Haare wird besonders deutlich, wenn man berühmte Schwarze Frauen als Beispiel nimmt. Die meisten erfolgreichen Schwarzen Frauen glätten ihr krauses Haar. Ein weiterer Weg, durch den Licia Chery auf diese Diskriminierung aufmerksam wurde, war der Beruf ihrer Mutter. Ihre Mutter war Pflegefachfrau, aber Licia Cherys Lehrerin war überzeugt, dass sie Pflegehelferin war, weil ihrer Meinung nach eine Schwarze keine hochqualifizierte Arbeit verrichten konnte. Dazu prägten vor allem zwei weitere Vorfälle Licia Cherys Kindheit und nahmen ihr die Unschuld: Der erste ereignete sich, als die Eltern eines Kindes äusserten, sie wollten nicht, dass ihr Kind mit einer Schwarzen spielt, und der zweite, als ein Kind während eines Spiels sich vor ihr ekelte.

Abgesehen von diesen Vorfällen, die die Autorin selbst erlebt hat, gibt es auch in anderen Zusammenhängen Diskriminierung von Schwarzen Menschen, wenn auch weniger sichtbar und subtiler. Licia Chery nannte uns das Beispiel einiger britischer Boulevardzeitungen und deren Diskriminierung von Meghan Markle, die Schwarz ist und von den betreffenden Zeitungen völlig anders behandelt wurde als Kate Middleton, die weiss ist. Das Beispiel der Boulevardzeitungen unterstreicht die unterschiedliche Behandlung einer nicht-weissen Person, unabhängig von ihrem Status. Ein weiteres Beispiel, das genannt wurde, ist die fehlende Anerkennung für die wesentlichen Beiträge vieler Schwarzer Wissenschaftler*innen in verschiedenen Bereichen (Gesundheit, Luft- und Raumfahrt, usw.). Die Wissenschaftler*innen, die als Beispiel genannt werden, sind der breiten Öffentlichkeit nicht oder nur wenig bekannt.

Licia Chery merkte schnell, dass es für sie, wie für viele Schwarze, nicht ausreichte, den Durchschnitt anzustreben, sondern dass sie viel mehr anstreben musste, um etwas zu werden. Diese Tatsache muss den Kindern so früh wie möglich vermittelt werden, damit sie die Situation verstehen und lernen, darauf zu reagieren. Es liegt aber vor allem auch an uns allen, sich der Situation zu stellen, sie zu verstehen und dazu beizutragen, sie zu ändern.

Jede*r von uns kann auf Diskriminierung reagieren, und Licia Chery hat uns einige Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir Verbündete werden und versuchen können, etwas zu verändern. Als Erstes ist es wichtig, die richtigen Begriffe zu verwenden, wenn wir über das Thema sprechen: Wir sollten uns nicht scheuen, den Begriff «Schwarze*r» zu verwenden, statt uns hinter wenig repräsentativen Begriffen wie «Dunkelhäutige*r» zu verstecken. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass nicht alle Schwarzen Afrikaner*innen sind, um weitere Stereotypen zu vermeiden. Vor allem aber ist es wichtig, die Selbstbezeichnungen der betroffenen Personen zu respektieren. Als Zweites müssen wir uns bewusst sein, dass unsere Gesellschaft von systemischem Rassismus geprägt ist und dass wir manchmal, ohne es zu merken oder zu wollen, rassistische Äusserungen machen können. Es ist sinnvoll, zuzuhören, ernst zu nehmen und nicht defensiv zu werden, wenn uns jemand darauf aufmerksam macht, dass eine Handlung oder Äusserung von uns rassistisch ist. In diesem Fall sollten wir diese rassistischen Äusserungen nicht leugnen, sondern uns ihrer bewusst werden, uns besser informieren und dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Schliesslich erläutert Licia Chery, wie wichtig es ist, angesichts der vielfältigen Gesellschaft, in der wir leben, eine neue Normalität zu schaffen, zum Beispiel durch Kinderbücher, die es allen Kindern ermöglichen, andere Helden und Heldinnen als die weissen zu sehen.

Obwohl wir das Ziel anstreben sollten, dass alle Menschen als gleichwertig angesehen werden, dürfen wir die bestehenden Unterschiede und die daraus resultierende Ungleichbehandlung nicht leugnen. Diese Unterschiede zu leugnen, würde bedeuten, die Augen vor Diskriminierung zu verschliessen, und würde nicht dazu beitragen, die Dinge zu ändern. Am Ende sind wir alle unterschiedlich, aber wir sind alle gleich viel wert!

 

Anmerkung zur Schreibweise:

– «Schwarz» wird grossgeschrieben, um sichtbar zu machen, dass es sich um eine soziale Konstruktion und eine Eigenbezeichnung handelt und nicht um das Adjektiv oder die Farbe «schwarz».

– «weiss» wird kursiv geschrieben, um deutlich zu machen, dass es sich um eine politische Beschreibung und nicht um eine Farbbezeichnung handelt.

 

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

Ein Freiwilliger bei Multimondo berichtet

Jérôme erklärt uns, wie man sich als freiwillige*r Mentor*in engagieren kann und erzählt was ihn motiviert und was seine Aufgaben sind.

Möchtest du dich auch als Mentor*in bei Multimondo engagieren? Dann ruf uns an: 033 322 50 20 oder schreib uns eine E-Mail: info@multimondo.ch. Wir freuen uns auf dich!

Das Video kannst du dir hier anschauen.

Zusammenfassung 13. Dialogue-Abend

Am 14. September fand der dreizehnte Dialogue-Abend statt, lesen Sie hier unsere kurze Zusammenfassung

Dialogue-Abend vom 14. September: «Von Kindern für Kinder – Konfliktprävention und Ideenentwicklung an Schulen in Zusammenarbeit mit den Kindern?» mit Christiane Daepp vom Ideenbüro.

Der Verein MULTIMONDO organisiert seit 2018 die Veranstaltungsreihe Dialogue, welche an mehreren Abenden im Jahr Menschen mit unterschiedlichen Biografien dazu einlädt, sozio-politische Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Beim Dialogue-Abend am 14. September hatten wir die Ehre, Christiane Daepp als Gast zu begrüssen und ihr Projekt «Ideenbüro» kennenzulernen.

Christiane Daepp begann schon früh mit dem Unterrichten und wandte sich bald dem partizipativen Unterricht zu, bei dem sich die Kinder stärker einbringen konnten. Im Jahr 2002 rief Christiane das « Ideenbüro » ins Leben, das von den Kindern mit Begeisterung aufgenommen und von einigen Lehrpersonen unterstützt wurde. Heute ist Christiane Daepp Vizepräsidentin, Vorstandsmitglied und Multiplikatorin des Ideenbüros für die Region Bern.

Beim Dialogue-Abend hat uns Christiane ihr Projekt vorgestellt und wir haben gemeinsam diskutiert, wie man Kinder, die auf Schwierigkeiten stossen, in der Schule integrieren und ihr Vertrauen gewinnen kann.

Das Projekt «Ideenbüro» entstand in einem schwierigen schulischen Umfeld, in dem Mobbing, Streit und Drohungen an der Tagesordnung waren. Der Handlungsbedarf zur Verbesserung der Situation war bei den Lehrpersonen ebenso präsent wie bei den Kindern. Die Frage war, wie man Kinder, die in der Schule auf Schwierigkeiten stossen, erfolgreich integrieren kann, und wie man ihr Vertrauen gewinnt, um mit ihnen zusammen zu arbeiten. Die Teilnehmenden des Dialogue-Abends wurden aufgefordert, über das Thema nachzudenken und Lösungen vorzuschlagen. Am Ende kamen wir zum Schluss, dass es wichtig ist, in einem Streit oder in einer Situation des Widerstands ein drittes Element einzusetzen (sei es eine dritte Person, ein Spielzeug, ein Spiel, usw.). Im Falle der Schule, in der Christiane Daepp arbeitete, war das dritte Element das «Ideenbüro».

Das Konzept des «Ideenbüro» ist einfach und gleichzeitig revolutionär: Ältere Kinder beraten jüngere Kinder. Sie nehmen die Situation und ihre Verantwortung selbst in die Hand, diskutieren Probleme und versuchen, sie zu lösen, ohne dass ein Erwachsener mit Ratschlägen zur Seite steht. Obwohl eine Lehrerperson oder Sozialarbeiter*in das Projekt leitet und bei schwerwiegenden Problemen anwesend ist, obliegt es den Kindern, die Beratung zu leiten und eine Lösung für jedes Kind zu finden, das um Hilfe bittet. In der Praxis können sich Kinder, die glauben, ein Problem zu haben, mit einem Formular beim Ideenbüro anmelden und werden von den Kindern, die das Ideenbüro ehrenamtlich leiten, zu einem Gespräch eingeladen. Bei diesem Gespräch folgen die Kinder im Ideenbüro einem Protokoll, das ihnen einen ersten Einblick in das Problem und die Wünsche des betroffenen Kindes gibt. Mit diesem Protokoll erkunden die älteren Kinder zunächst die Ursachen des Problems, das Ziel des betroffenen Kindes, sowie die bisher in Betracht gezogenen Lösungen, und schlagen dann verschiedene Lösungen vor, die das betroffene Kind in der folgenden Woche in die Praxis umsetzen soll. Schliesslich vereinbaren die Kinder im Ideenbüro ein weiteres Treffen, um zu überprüfen, ob die vorgeschlagenen Lösungen funktioniert haben und das Problem gelöst werden konnte.

In diesem Prozess sticht vor allem ein Element hervor: das Zuhören. Die Kinder sind eingeladen, ihre Sicht auf das Problem oder den Konflikt darzulegen, während die anderen zuhören, ohne zu reagieren oder zu kommentieren. Danach können die Kinder, die zuhörten, ihren Standpunkt erläutern, und die anderen müssen zuhören.

Die Tatsache, dass das Ideenbüro von Kindern geleitet wird, gibt den anderen Kindern einerseits Sicherheit und das Gefühl, wirklich verstanden zu werden, mehr als bei Erwachsenen, die zu weit von ihrer Welt entfernt zu sein scheinen. Andererseits können ältere Kinder dadurch ihre Kreativität und ihren Idealismus einsetzen, um Probleme zu lösen, die Auswirkungen auf die Schulgemeinschaft haben könnten. Ausserdem wird ihre Arbeit durch die Dankbarkeit ihrer Mitschüler*innen belohnt, was die soziale Anerkennung und damit das Selbstvertrauen stärkt.

Drei Monate nach der Eröffnung des Ideenbüros gab es keine Probleme mehr im Ideenbüro, so dass Christiane Daepp es schliessen wollte. Die Kinder waren damit jedoch nicht einverstanden und wollten die Tätigkeit des Ideenbüros fortsetzen. Daher sind sie mit der Gemeinde in Kontakt getreten und haben gefragt, ob es Probleme gäbe, die sie -die Kinder – lösen könnten: sie haben daraufhin sieben Probleme lösen können! Das Ideenbüro blieb schliesslich geöffnet und wurde zu einem nachhaltigen Angebot zur Konfliktlösung, aber auch zur Lösungs- und Ideenentwicklung allgemein.

Seit 2002 sind an 150 Primarschulen in der Schweiz Ideenbüros eröffnet worden, ausserdem vier in Deutschland und eines in Mexiko. Das Projekt wurde zweimal ausgezeichnet: 2004 mit dem UNICEF Orange Award und 2011 mit dem Klaus J. Jacobs Best Practice Prize für wissenschaftliche Arbeiten von grosser gesellschaftlicher Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Dieses Projekt zeigt uns, wie wichtig es ist, den anderen zuzuhören und alle Menschen in den Entscheidungsprozess und in die Lösungsfindung einzubeziehen, denn oft sind es die Betroffenen, die ihre Situation und die sie betreffenden Probleme am besten kennen.

Dialogue wird unterstützt durch die Stiftung fondia.

Das Forum Together im November / Dezember

Für Kinder:

Der Winter steht vor der Tür, aber was wäre der Winter ohne Musik? Am 6. November findet das letzte Kinderkonzert des Jahres 2021 statt! Die Künstlerinnen Julia und Lise laden euch auf eine Reise um die Welt und durch die vier Jahreszeiten ein.

Anmeldung: per E-Mail an forumtogether@multimondo.ch, per Telefon an 032 322 50 20 oder per WhatsApp an 077 905 75 61.

Ausserdem findet die letzte Geschichte im Multimondo des Projekts «Schenk mir eine Geschichte» der Stadtbibliothek Biel statt. Am Samstag, den 13. November, können eure Kinder eine Geschichte auf Spanisch hören und an einer Bastelaktivität teilnehmen.

Ihr könnt jederzeit der WhatsApp-Gruppe «Forum Together KIDS» beitreten, um regelmässig Ideen für Aktivitäten für Kinder zu erhalten und über unsere Veranstaltungen informiert zu werden.

Kontaktiert uns unter 077 905 75 61, um der Gruppe hinzufügt zu werden.

 

Für junge Menschen und Erwachsene:

Der spanische Leseclub bietet zwei Abende im November und Dezember an. Der erste Abend, am 17. November, widmet sich dem Buch «Orlando» von Virginia Woolf, der zweite, am 15. Dezember, dem Buch «Der Zauberberg» von Thomas Mann. Kommt und diskutiert über diese zwei grossartigen Bücher!

Am 18. November findet der letzte Dialogue-Abend des Jahres 2021 statt. Kommt, entdeckt und diskutiert das Thema «Diskriminierung im Alltag – Was kann ich tun?».

Achtung, dieser Dialogue-Abend findet im Haus pour Bienne statt! Anmeldung: per E-Mail an forumtogether@multimondo.ch, per Telefon an 032 322 50 20 oder per WhatsApp an 077 905 75 61.

Wir unterstützen das Projekt «Happy Foot», Fussball für alle. Die Gruppe trifft sich jeden Montag um 20 Uhr auf dem Fussballplatz Bözingen. Für weitere Informationen: Matthieu Bulliard, matthieu.bulliard@gmail.com oder 077 445 25 75.

 

Für alle:

Vom 29. Oktober bis 22. November findet die Hörausstellung «Ohren auf Reisen» im Haus pour Bienne statt.

Möchtet ihr die Hörwelt verschiedener Menschen unterschiedlicher Herkunft entdecken? Die Ausstellung ist genau das Richtige für euch!

 

Regelmässige Angebote:

Die interkulturelle Bibliothek LibriMondo ist immer zu den üblichen Zeiten geöffnet, schaut euch unsere unsere Bücher auf mehr al 35 Sprachen an. Ihr könnt auch eine Überraschungs-Bücherpakete über die Fern-Ausleihe ausleihen (von 3 bis 5 Bücher).

Wie bieten die Möglichkeit «LibriMondo erleben» an: reserviert eine Gruppenbesuch mit oder ohne Animation in LibriMondo oder bei euch.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Fern-Ausleihe und anderen LibriMondo-Angeboten findet ihr hier.

Der Soli-Schrank wartet euch von Montag bis Freitag, von 9 bis 19 Uhr im Multimondo. Verschiedene kostenlose Artikel stehen euch dort zur Verfügung (Kleidung für Erwachsene und Kinder, Spielzeug und vieles mehr).

Ähnlich verschenket das Soli-Bücherregal regelmässig Bücher aller Art und in mehreren Sprachen: Romane, Krimis, Märchen, Lernbücher und vieles mehr. Schaut vorbei!

Ihr findet alle unsere Angebote im Überblick im Quartalsprogramm, auf unserer Website oder auf Facebook.

Wir freuen uns auf euch!

Armut verhindern – eine Informationskampagne zur Armutsprävention

Der Dachverband der sozialen Institutionen Biel und Region (DSI) und die Abteilung Soziales der Stadt Biel organisieren zusammen das Projekt «Mois de la précarité / Armut verhindern». Gemeinsam mit verschiedenen Institutionen und Organisationen werden im Oktober 2021 verschiedene kostenlose öffentliche Veranstaltungen durchgeführt mit dem Ziel über das Thema der Prekarität zu informieren und die breite Bevölkerung dafür zu sensibilisieren.

Auch Multimondo macht bei diesem Aktionsmonat mit und ist an zwei Tagen mit einem Infostand auf der Esplanade anzutreffen. Am  23. Oktober 2021 organisieren wir zudem einen Soli-Shop, ein gratis-Flohmarkt.

Mehr Informationen und das ganze Programm sind hier zugänglich.

Das Forum Together im September / Oktober

Für Kinder:

Im September können die Kinder an einem speziellen Dialogue-Abend teilnehmen und die Geschichte « Tichéri a les cheveux crépus » hören. Die Autorin des Buches, Licia Chery, wird auch eine kurze Diskussion auf Französisch speziell für Kinder führen. Für deutschsprachige Kinder gibt es ebenfalls eine Lesung aus und Diskussion zum Buch.

Am Samstag, dem 2. Oktober, findet das dritte Kinderkonzert des Jahres 2021 statt! Eure Kinder können neue Melodien aus der ganzen Welt hören und neue Rhythmen lernen!

Ausserdem werden wir in den nächsten drei Monaten das Projekt « Schenk mir eine Geschichte» der Stadtbibliothek Biel bei uns empfangen. Eure Kinder können Geschichten in sechs verschiedenen Sprachen hören und an Bastelaktivitäten teilnehmen!

Ansonsten könnt ihr jederzeit der Whatsapp-Gruppe «Forum Together KIDS» beitreten, um regelmässig Ideen für Aktivitäten für Kinder zu erhalten und über unsere Veranstaltungen für Kinder informiert zu werden. Kontaktiert uns unter 077 905 75 61, um der Gruppe hinzugefügt zu werden.

Für junge Menschen und Erwachsene:

Am 3. September und am 14. September finden zwei Dialogue-Abende zu den Themen «Kinderbücher – was für eine Gesellschaft zeigen sie?» und «Kinder für Kinder – Konfliktprävention und Ideenentwicklung an Schulen in Zusammenarbeit mit Kindern?» statt. Nach einem speziellen Programm für Kinder werden wir am Abend des 3. September mit Erwachsenen darüber diskutieren, wie wichtig es ist, unsere vielfältige Gesellschaft auch in Kinderbüchern darzustellen (auf Deutsch und Französisch mit Übersetzung und Kinderbetreuung!). Am Abend des 14. September wird die Gründerin und Vizepräsidentin des Vereins «Ideenbüro» mit uns darüber diskutieren, wie man Kinder in Prozesse der Lösungsfindung bei Konflikten oder anderen Problemen einbinden kann.

Das Brettspiel über Sprachen und Kulturen nimmt langsam Gestalt an! Bei jedem Workshop tragen die Teilnehmenden zur Entwicklung des Spiels bei, indem sie ihr Wissen über ihre Sprachen, Kulturen und Traditionen weitergeben und die Regeln des Spiels diskutieren. Interessierte können jederzeit einsteigen. Weitere Informationen findet ihr hier.

Der spanische und der russische Leseclub treffen sich weiterhin jeweils einmal im Monat online oder vor Ort, um über Bücher in ihrer jeweiligen Sprache zu diskutieren.

Für alle:

Der Soli-Schrank ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr im Multimondo geöffnet. Diverse kostenlose Artikel stehen euch dort zur Verfügung (Kleidung, Spielzeug, Geschirr und vieles mehr). Am 23. Oktober organisieren wir ausserdem wieder einen Soli-Shop! Nutzt diese Gelegenheit und schenkt vielen Gegenständen ein zweites Leben.

Die interkulturelle Bibliothek LibriMondo ist weiterhin zu den üblichen Zeiten geöffnet und ihr könnt auch Bücher über die Fern-Ausleihe ausleihen! Zudem bieten wir Gruppenbesuche (mit oder ohne Animation) in der Bibliothek oder in anderen Einrichtungen an. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Fern-Ausleihe und anderen LibriMondo-Angeboten findet ihr hier.

Ihr findet alle unsere Angebote im Überblick im Quartalsprogramm, auf unserer Website oder auf Facebook.

Bis bald!

Wir suchen Freiwillige!

Wir suchen Freiwillige, die bereit sind, in unserer Kinderbetreuung mitzuwirken.

Beschreibung des Arbeitseinsatzes
Sie betreuen zu zweit eine kleine Gruppe von Kindern im Alter zwischen 2 und 6 Jahren. Je nach Wetter gehen Sie mit den Kindern nach draussen oder unterstützen sie beim Basteln und Spielen in unserem Betreuungsraum.

Anforderungen
Sie verbringen gerne einen Teil Ihrer freien Zeit mit Kindern und die Kommunikation mit ihnen macht Ihnen Spass? Sie gehen offen auf andere Menschen zu und bringen Wertschätzung, Toleranz und Geduld mit?
Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Deutsch- und/oder Französischkenntnisse min. Niveau B1

Zeitaufwand
pro Einsatz ca. 2,5 h
1- bis 3-mal wöchentlich.

Kontaktperson
Jana Lehmann, jana.lehmann@multimondo.ch
032 322 50 20

Eine Freiwillige bei Multimondo berichtet

Zemfira erzählt, warum sich sich als Freiwillige engagiert, was sie dazu motiviert, und was ihre Aufgaben sind.
Möchtest du dich auch als Freiwillige*r bei Multimondo engagieren? Dann ruf uns an: 033 322 50 20 oder schreib uns eine E-Mail: info@multimondo.ch. Wir freuen uns auf dich!
Das Video kannst du dir hier anschauen.
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